(Preis 10000 Euro)

 

Leiter: Herbert Jacob
www.twg-dillingen.de
E-Mail: info(at)twg-dillingen.de
Telefon: 06831 769830

 

Laudatio der Jury  

Prof. Dr. Roland Brünken
Professor für Empirische Bildungsforschung an der Universität des Saarlandes, Lernpsychologe; Studiendekan der Philosophischen Fakultät; St. Ingbert

 "Umgang mit Heterogenität gehört gemeinhin nicht zu den erklärten Lieblingsthemen gymnasialer Schulformen. Wer es wie sie gewohnt ist, die leistungsstärkere obere Hälfte der Schüler zu seiner Klientel zu zählen, macht sich ersichtlich weniger Gedanken um individuelle Förderung und Defizitausgleich. Vielmehr scheint hier all zu oft ein „one size fits all“ die pädagogische Devise zu sein.  Nicht zuletzt deshalb gehören Gymnasien aus Sicht der Schulentwicklung bedauerlicherweise eher seltener zu den Innovationsmotoren. Umso erstaunlicher – und preiswürdiger – ist es, eine Schule zu finden, die gymnasialen Anspruch und Realität explizit verbindet mit dezidierten Konzepten des Umgangs mit Heterogenität und der individuellen Förderung. Beginnend mit einer sorgfältigen Diagnose individueller Lernvoraussetzungen und einem einwöchigen Einführungsworkshop werden die neuen Schüler in die Schulgemeinschaft aufgenommen mit dem Ziel, eine hohe Lernbereitschaft in der heterogenen Schülerschaft zu aktivieren.

Der Hintergrund dieser besonderen Bemühungen liegt naturgemäß in der nicht gewöhnlichen Struktur und Klientel der Schule. Sie nimmt als Oberstufengymnasium Schülerinnen und Schüler aus 20 Schulen der drei unterschiedlichen Schulformen IGS, ERS und Gymnasium auf. 350 Schülerinnen und Schülern mit sehr unterschiedlichen Lernvoraussetzungen besuchen die Jahrgangsstufen 10 bis 12. Der Großteil der Eltern dieser Schüler arbeitet im Handwerk oder in der Industrie, nur wenige haben eine akademische Ausbildung. Etwa 2/3 der Schüler sind die ersten der Familie, die eine Hochschulreife erreichen.

Eine solche Schülerschaft ist eine besondere Klientel, und die Gutachtergruppe war beeindruckt nicht nur von ihrer hohen Leistungsbereitschaft und der Motivation der Schülerinnen und Schüler sondern vor allem von der bemerkenswerten Identifikation mit „ihrer“ Schule. Gleiches fand sich auch bei Elternschaft, Kollegium und Schulleitung, so dass der lebendige Eindruck einer gelebten Gemeinschaft entstand, in deren Mittelpunkt die individuelle Förderung und Unterstützung jedes einzelnen Schülers bei der Erreichung der gesetzten Leistungsziele im Vordergrund steht.

Leistung steht dabei als zentraler, positiv konnotierter Begriff im Fokus des schulischen Selbstverständnisses. Variable Unterrichtsformen und –methoden werden nicht als Wert per se gesehen, sondern stehen im Dienst der Vermittlung kognitiver Kompetenzen. Hilfsbereitschaft und Förderung werden nicht als „Wohlfühlfaktoren“ missverstanden, sondern zielen stets auf die Entwicklung und Förderung individueller Leistungsstärken.

Eine wichtige Aufgabe sieht die Schule darüber hinaus - neben ihrem traditionellen Schwerpunkt in den Bereichen Naturwissenschaft und Technik - in ihrem sozialen Engagement, in künstlerisch-musisch-ästhetischen Angeboten und der Entwicklung eines positiven pädagogischen Klimas. Sie zeigt große Aufmerksamkeit bei der Entwicklung von Sozialgemeinschaften und Helfersystemen und bemüht sich, Aufgaben so zu stellen, dass sie dem Wissensstand der Lernenden angepasst sind. Aktiv bemüht sie sich um außerschulische lokale und überregionale Kontakte und Kooperationen mit öffentlichen Einrichtungen und Wirtschaftsunternehmen.

Die Schule begreift sich dabei immer auch als lernende, sich entwickelnde Institution, in der die Kooperation der Kolleginnen und Kollegen, kollegiale Hospitationen und Feedback, die Steuergruppe und die gemeinsame Unterrichts- und Schulentwicklung eine große Rolle spielen. Angebotene externe Beratung und Evaluation nimmt sie nicht nur an, sondern fordert sie ein und greift identifizierte Handlungsbedarfe aktiv auf. Eine zentrale Rolle spielen dabei die Steuerungsgremien der Schule und nicht zuletzt eine engagierte Schulleitung, für die Führung nicht nur Anspruch sondern auch soziale und pädagogische Verpflichtung darstellt.

Nicht nur als Anerkennung für die bemerkenswerte geleistete Arbeit sondern auch weil diese Schule beispielgebend ist für die Potenziale, die in der Entwicklung gymnasialer Schulformen stecken, verleiht die Jury den Hauptpreis des Saarländischen Schulpreises 2012/13 an das Technisch-Wissenschaftliche Oberstufengymnasium Dillingen."


(Preis 4 000 Euro)

 

Leiter: Rolf Mohr
www.ers-freisen.de
E-Mail: ers.freisen(at)t-online.de
Telefon: 06855 7992 

 

Laudatio der Jury

Prof. Dr. Jörg Schlömerkemper
ehemaliger Professor für Schulpädagogik und Allgemeine Didaktik an der Goethe-Universität Frankfurt am Main, ständiger Mitarbeiter der Zeitschrift PÄDAGOGIK; aus Göttingen

"Die Jury war beeindruckt von einer Schule, in der alle – die Lehrenden, die Schülerinnen und Schüler, die Eltern und die Schulleitung sowieso – sich sehr wohl fühlen. Auch eindringliche Nachfragen haben keine Kritik hervorlocken können. Und tatsächlich: Auch als Besucher fühlt man sich an dieser Schule gleich gut aufgenommen. Man wird freundlich begrüßt, alle Türen stehen offen, jeder gibt die erbetenen Auskünfte. Und wenn man die Schülerinnen und Schüler beim Lernen beobachtet, sieht man eifrige, engagierte und zufriedene junge Menschen. Sie wissen immer, was sie als Nächstes lernen sollen, und sie können meistens selbst feststellen, ob sie können, was sie können sollen. Und wenn es einmal nicht gleich klappt, sind die Lehrerinnen und Lehrer jederzeit – und auch über ihre regulären Dienstpflichten hinaus – bereit zu helfen, etwas noch mal zu erklären und so lange zu üben, bis es ‚sitzt‘.  Auch die Eltern werden über die Lernentwicklung ihrer Kinder regelmäßig informiert. Bildung und Erziehung der Kinder werden als gemeinsame Aufgabe verstanden.

Wie schafft diese Schule das? – Ganz wichtig ist dafür offensichtlich ein pädagogisches Konzept, in dem die intensive Förderung aller (aller!) Schülerinnen und Schüler im Mittelpunkt steht. Jedes Kind soll so „angenommen“ werden, wie es als Persönlichkeit auftritt und es soll in seinem Lernen so herausgefordert werden, dass es die bestmöglichen „Kompetenzen“ – also „Leistungen“ und am Ende auch Noten – erreicht. Gleichwohl ist es wichtig, dass alle in der Klassen-Gemeinschaft zusammen bleiben. Vielfältige und wechselnde Lernmethoden lassen die Einzelnen selbstständig arbeiten, sie können dies mit Partnern austauschen, Fragen klären und sich ergänzen und oft werden Ergebnisse in Gruppen auf den Punkt gebracht und dann vor der Klasse präsentiert. Das ist alles sehr lebendig, anregend und erfolgreich. So oft es geht, wird der „Stoff“ auf die „Lebenswelt“ der Kinder bezogen, so dass sie merken, dass sie nicht nur für die Schule oder die Noten lernen, sondern dass sie durch das erworbene Wissen und Können für ihr Leben bereichert werden.Beeindruckt hat die Jury auch, dass die Schule als ein „Gemeinwesen“ erscheint. Alle ziehen an einem Strang (in dieselbe Richtung natürlich). Dabei werden unterschiedliche Kräfte genutzt. Am gemeinsamen Ziel wird durchaus auf verschiedenen Wegen gearbeitet. Jede Lehrkraft setzt eigene Schwer-punkte, aber das bleibt eingebunden in das gemeinsam erarbeitete Konzept. Es ist wie in einem guten Orchester: So wie da nicht jeder nach einer eigenen Melodie ins Horn blasen kann, muss das Ganze gut koordiniert sein. Jeder hat seine eigene Stimme, aber es klingt erst gut, wenn alles zusammen passt. Und dazu braucht man letztlich immer einen, der das Ganze zusammenhält und z.B. darauf achtet, dass der Takt eingehalten wird. Das ist an dieser Schule offenbar der Fall – und zwar so gut, dass sich alle dem Taktgeber gern anschließen. Denn der macht das so konsequent, aber auch so freundlich und mit Verständnis für jeden einzelnen, dass sich alle –  wie eingangs gesagt – an dieser Schule sehr wohl fühlen.

Und weil das an dieser Schule so ist und damit andere Schulen auf diese aufmerksam werden, verleiht die Jury einen Saarländischen Schulpreis an die Gemeinschaftsschule Freisen."


(Preis 4 000 Euro)

 Leiter: Wolfgang Dietrich
www.gessul.de
E-Mail:schulleitung(at)gesamtschule-sulzbachtal.de
Telefon: 06897 97460

 

Laudatio der Jury

Ingrid Kaiser
ehemalige pädagogische Leiterin der Helene-Lange-Schule in Wiesbaden, Schulberaterin; aus Frankfurt

"Der Neurobiologe Joachim Bauer in Freiburg im Breisgau sagt treffend: „Die stärkste Motivationsdroge für den Menschen ist der andere Mensch“. Diese Erkenntnis hat sich die Schule schon seit ihrer Gründung zu einem ihrer Leitsätze gemacht, denn die Grundlage ihrer Arbeit sind die Beziehungsebenen. Die hier spürbare positive Atmosphäre wird geprägt durch die Teamarbeit der Schulleitung und der Lehrerinnen und Lehrer. Die Schule zeigt, dass ihre Schüler lernbereit sind, weil sie sich in ihrer Lerngemeinschaft angstfrei und sicher fühlen, ein Gefühl von Zugehörigkeit entwickeln können und viele Hilfsangebote erhalten. Das Zweite, was Schüler an diese Schule bindet und sie stolz macht, sind Herausforderungen, die sie hier erleben, die sie neugierig und ehrgeizig machen und sie motivieren, gute individuelle Leistungen zu erreichen. Ein dritter Grund der Schüler, stolz auf ihre Schule zu sein, sind die Wahlmöglichkeiten, die ihnen mit unterschiedlichen Anforderungen oder Arbeitsaufträgen angeboten werden oder bei Vorschlägen zu Projektthemen, bei der Entwicklung von Beurteilungskriterien oder beim Lernen außerhalb der Schule zur Auswahl stehen.

Die Gratwanderung, Schülern eine Lernorientierung zu geben, einen reflektierten Umgang mit ihrer Selbstständigkeit zu üben, ohne sie allein zu lassen, ist in vielen Ansätzen sichtbar. Ein gutes Beispiel, eigene Lernerfahrungen und Arbeitsergebnisse zu überprüfen, ist die Einführung des Lerntagebuchs an dieser Schule. Die Schüler setzen sich dabei mit Inhalten auseinander und machen sich Gedanken, was sie gelernt und was sie noch nicht verstanden haben.

Diese Schule hat sich als lernende Organisation kontinuierlich weiterentwickelt und akzeptiert die  immer wieder notwendigen Veränderungen und den Schritt zum nächsten Aufbruch. Der Teamgedanke wird konsequent auf unterschiedlichsten Ebenen gelebt, nämlich in Jahrgangs-, Fach- und Entwicklungsteams. Es besteht ein Anspruch, einerseits fachkompetente Instruktionen zu vermitteln, andererseits den Schülerinnen und Schülern beim kooperativen und selbstständigen Lernen ein guter Lernbegleiter zu sein.

Die Ergebnisse dieser anspruchsvollen Arbeit haben bei Schülern, Eltern und dem Kollegium zu hoher Zufriedenheit geführt, die in allen Gesprächsrunden deutlich wurde. Hervorgehoben werden muss noch die aktive Beteiligung der Eltern in allen Gremien und ihr Gefühl, dass ihre Meinung willkommen ist, auch wenn sie kritisch ausfällt. Eines ihrer Argumente war die Zusammenarbeit mit innovationsbereiten Lehrerinnen und Lehrern für eine frühzeitige und umfangreiche Berufsorientierung bis hin zu Ausbildungs- oder Studienmöglichkeiten. Diese Eltern haben sich bewusst für diese Schule entschieden und stehen weiterhin mit großer Überzeugung zu ihrer Entscheidung. 

Bei Unterstützung von Interessen, Fähigkeiten und Neigungen der Schüler spielen nicht nur die kognitiven Fächer eine Rolle. Die Schule hat weitere Schwerpunkte mit besonderen Profilen entwickelt, z.B. durch Einrichtung einer Bläserklasse, Tanzprojekte in Zusammenarbeit mit dem Saarländischen Staatstheater und Aufgaben in der Bildenden Kunst. Die Präsentation dieser Aktivitäten sind Höhepunkte jedes Schuljahres und bilden große Herausforderungen, die die Schülerinnen und Schüler mit  Begeisterung annehmen. Hier findet etwas statt, was in Schulen oft zu kurz kommt, nämlich eine Kultur der Anerkennung.

Allen voran agiert eine aktive Schulleitung als Team und unterstützt Initiativen von Kolleginnen und Kollegen. Sie erarbeitet seit Jahren Themen der schulinternen Fortbildung und für Pädagogische Tage im Rahmen des sich verändernden Schulprogramms und bemüht sich, durch die wachsenden Herausforderungen der Integration und jetzt Inklusion die Professionalität des Kollegiums zeitgemäß zu fördern.

Zur Anerkennung des bisher Geleisteten und als Ansporn für die weiteren Schritte auf dem Weg zu einer beispielgebenden Schule verleiht die Jury einen Saarländischen Schulpreis an die Gemeinschaftsschule Dudweiler / Gesamtschule Sulzbachtal."