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Das Verhältnis von Hindenburg und Hitler

Gemeinhin wird Reichspräsident Paul Ludwig Hans Anton von Beneckendorff und Hindenburg Senilität zugute gehalten, als er Adolf Hitler 1933 zum Reichskanzler ernannte. Der alte Herr, der während der mehrtägigen Tannenbergschlacht im 1. Weltkrieg tagtäglich ausschlief, einen Morgenspaziergang machte und ebenso einen Mittagsschlaf, Bewunderer empfing und auf die Jagd ging, war jedoch, so Pytas Forschungsergebnisse, geistig durchaus noch voll auf der Höhe. Pyta ist davon überzeugt, daß Hindenburg nicht auf Druck von außen Hitler zum Reichskanzler machte, sondern weil er glaubte, in Hitler den Garanten der nationalen Einheit gefunden zu haben. Hindenburg hoffte auf diese Weise auch, die ihm verhaßten Linken (SPD und KPD) endgültig ausschalten zu können, nachdem ihm dies – zumindest im Zusammenhang mit der SPD - trotz der versuchten Ausschaltung des Reichstages und der Einsetzung der Präsidialkabinette nicht gelungen war.

ReferentIn:

Prof. Dr. Wolfram Pyta

Prof. Dr. Wolfram Pyta

Prof. Dr. Wolfram Pyta

geb. 1960 in Dortmund, ist seit April 1999 Leiter der Abteilung für Neuere Geschichte am Historischen Institut der Universität Stuttgart und seit 2001 Direktor der „Forschungsstelle Ludwigsburg“ zur NS-Verbrechensgeschichte. Seine derzeitigen Forschungsaktivitäten decken den Zeitraum vom frühen 19. Jahrhundert bis zur aktuellen Zeitgeschichte ab. In methodischer Hinsicht zielen die Forschungsschwerpunkte darauf ab, Politik- und Kulturgeschichte systematisch zu verbinden, um auf diese Weise die Transformation kulturell-symbolischen Kapitals in politisches Entscheidungshandeln in den Blick zu nehmen. Diese Verknüpfung von Herrschaftsanspruch und symbolischen Repräsentationsleistungen ist auch Gegenstand einer Studie über die Herrschaft Hindenburgs von 1914 bis 1934, die im September 2007 als Monographie erschienen ist.

17. November 2008
18:00 Uhr

Haus der Stiftung Demokratie Saarland

Vortrag

Carmen Oschmann
Telefon: 0681 - 906 26 - 21

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