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Der Wert der Vergangenheit in der Gegenwart

Geschichte ist in unserer Zeit allgegenwärtig. Wir leben in einer Ära der historischen Aufarbeitung: Aus der persönlichen Lebensperspektive schildernde Biografien führen die Verkaufslisten des Buchhandels an, Spielfilme wie „Der Untergang“ oder „Unsere Mütter, unsere Väter“ bannen ein Millionenpublikum vor den Fernseher, historische Dokumentationen und Zeitzeugenberichte füllen in Endlosschleifen das Programm von eigenen Spartensendern. Von der landesweit diskutierten Jubiläumsausstellung bis zum kleinstädtischen Mittelaltermarkt gehört die historische Eventkultur zu unserem Lebensgefühl von Berlin bis Frankfurt, von Potsdam bis Dresden entstehen im alliierten Flächenbombardement untergegangene Repräsentativbauten deutscher Städte neu, kehren für immer verloren gegangene Stadtsilhouetten und Straßenzüge so wieder, wie es unter ganz anderen Vorzeichen die polnische Handwerkskunst Jahrzehnte zuvor in Warschau, Krakau oder Danzig vorgemacht hatte – unter dem Pflaster liegt nicht der Strand, unter dem Pflaster liegt aus heutiger Sicht vielmehr der Schatz der Vergangenheit.
Der Vortrag zeichnet den atemberaubenden Aufstieg des Gedächtnisparadigmas in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts nach und versucht zu ergründen, warum sich Lust und Last der Geschichte in unserer Zeit verschränken.

ReferentIn:

Prof. Dr. Martin Sabrow

Prof. Dr. Martin Sabrow

Prof. Dr. Martin Sabrow

geb. 1954 in Kiel. Studium der Geschichte, Germanistik und Politologie in Kiel und Marburg/Lahn, 1993 Promotion in Freiburg mit einer Dissertation zum Rathenaumord, 1983-1993 Studienrat in Berlin, 1993-2004 wissenschaftlicher Mitarbeiter und seit 1996 Projektleiter am Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam und Lehrbeauftragter an der FU Berlin. 2000 Habilitation an der FU Berlin mit einer Arbeit über die DDR-Geschichtswissenschaft, seit 2004 Direktor des Zentrums für Zeithistorische Forschung und Professor für Neueste Geschichte und Zeitgeschichte an der Universität Potsdam, 2005/2006 Vorsitzender der Expertenkommission der Bundesregierung zur Erarbeitung eines Geschichtsverbundes »Aufarbeitung der SED-Diktatur», seit 2009 Professor für Neueste Geschichte und Zeitgeschichte an der Humboldt-Universität zu Berlin.Forschungsschwerpunkte: Politische Kulturgeschichte des 20. Jahrhunderts, Diktaturforschung, Historiographie- und Erinnerungsgeschichte.

17. November 2014
18:00 Uhr

Haus der Stiftung Demokratie Saarland

Vortrag

Carmen Oschmann
Telefon: 0681 - 906 26 - 21

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