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Die Deutschen und ihre Mythen

Unter dem Eindruck der napoleonischen Kriege haben sich in Deutschland während des 19. Jahrhunderts überwiegend Opfermythen ausgebildet, die auf die Inpflichtnahme des Einzelnen durch die Gemeinschaft abzielten. Es handelte sich dabei um narrative Selbstvergewisserungen einer heroischen Gesellschaft. Die Katastrophe dieser Gesellschafts- wie Erzählstruktur fand zwischen 1914 und 1945 statt; danach waren die politischen Mythen des Deutschen Reichs buchstäblich verbrannt. Die politisch-mythische Selbstverständigung der beiden deutschen Staaten nahm unterschiedliche Wege: Während sich die DDR auf das positive Erbe der deutschen Geschichte berief, entwickelten sich in der Bundesrepublik eine Reihe von Prosperitätsmythen als narrative Selbstvergewisserung einer postheroischen Gesellschaft. Das vereinte Deutschland ist nach dem Wegfall der D-Mark ein weitgehend mythenfreies Land. Die großen Erzählstränge sind gerissen – auf der politischen Linken wie bei den Konservativen. Die Frage ist, welche Folgen das hat.

ReferentIn:

Prof. Dr. Herfried Münkler

Prof. Dr. Herfried Münkler

Prof. Dr. Herfried Münkler

geb. 1951 in Friedberg/H.; Studium der Politikwissenschaft, Germanistik und Philosophie in Frankfurt/M.; 1981 Promotion zum Dr. phil, 1987 Habilitation. Seit Frühjahr 1992 Professur für Theorie der Politik an der Humboldt-Universität zu Berlin. Seit Dezember 1992 Mitglied der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften; von 2003 bis 2006 Sprecher der Arbeitsgruppe Elitenintegration der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften. Von 2004 bis 2005 hatte er eine Gastprofessur am Wissenschaftszentrum für Sozialwissenschaften Berlin (WZB). Diverse Publikationen zur Begründung von Kriegen.

09. Januar 2012
18:00 Uhr

Haus der Stiftung Demokratie Saarland

Vortrag

Carmen Oschmann
Telefon: 0681 - 906 26 - 21

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