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Die Internationalisierung und Professionalisierung des Fussballs am Beispiel Béla Guttmanns

Fußballpuristen ist die kommerzielle Ausrichtung ihres Lieblingssportes ein Greuel: Die Umwandlung von Vereinen in Aktiengesellschaften, eine bloß arbeitsvertragliche Bindung der Stars an ihre Mannschaft, die drohende Ablösung der Teams durch am internationalen Erfolg orientierte Clubs von ihrem lokalen Umfeld, all dies schafft Spannungen zwischen Clubs, Teams und Fans, aber auch Konflikte zwischen EU-Kommission und UEFA.
Die Globalisierung des Fußballs ist aber keineswegs erst eine Erscheinung der Postmoderne, sondern König Fußball begann seinen internationalen Siegeszug bereits vor etwa hundert Jahren. Beispielhaft steht dafür der Ungar Béla Guttmann, als Spieler des MTK Budapest der ungarische Meister von 1920 und 1921, als Spieler von Hakoah Wien österreichischer Meister der Saison 1924/25, als Trainer von Újpest Budapest 1939 Gewinner des Mitropacups - dem historischen Vorläufer der heutigen Champions League -, nach 1945 im Trainerteam der ungarischen Wunderelf, erfolgreiche Arbeit beim AC Milan 1955, dann beim FC Sao Paulo Gewinner der Paulista 1958, 1959 als Trainer des FC Porto sowie als Trainer von Benfica Lissabon portugiesischer Meister 1960 und sensationeller zweimaliger Europacupsieger der Landesmeister 1961 (im Finale von Bern gegen Barcelona FC) und 1962 (Endspiel gegen Real Madrid 5:3 in Amsterdam).
Zusätzlich spielte und trainierte Guttmann in mehreren Staaten Europas, Nord- und Südamerikas. Detlev Claussen hat sich intensiv mit diesem Global Player beschäftigt und wird an dessen Beispiel nachzeichnen, wie die Entwicklung des Profifußballes ihren Anfang nahm.

ReferentIn:

Prof. Dr. Detlev Claussen

Prof. Dr. Detlev Claussen

Prof. Dr. Detlev Claussen

Publizist und Professor für Gesellschaftstheorie, Kultur- und Wissenschaftssoziologie in Hannover; lebt in Frankfurt am Main. Claussen studierte zwischen 1966 und 1971 bei Horkheimer und Adorno, Habermas und Negt in Frankfurt am Main. Seine akademische Lehrtätigkeit an verschiedenen Orten der Bundesrepublik wurde begleitet von journalistischen Arbeiten im Rundfunk, Fernsehen und Printmedien. Wichtigste letzte Publikationen: „Grenzen der Aufklärung. Die gesellschaftliche Genes des modernen Antisemitismus“, S. Fischer, Frankfurt/M, 1987, 4. überarbeitete Auflage 2005, „Blick zurück auf Lenin, Georg Lukacs, die Oktoberrevolution und Perestroika“, Luchterhand Verlag, Frankfurt/M. 1990; „Was heißt Rassismus?“ Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1994; „Keine Kritische Theorie ohne Amerika“, (Hg. mit O. Negt und M. Werz), Verlag Neue Kritik, Frankfurt/M. 1999; Kritik des Ethnonationalismus, (Hg. mit O. Negt und M. Werz), Verlag Neue Kritik, Frankfurt/M. 2000; Aspekte der Alltagsreligion. Ideologiekritik unter veränderten gesellschaftlichen Verhältnissen, mit einem Vorwort von Dan Diner, Verlag Neue Kritik, Frankfurt/M. 2000; Theodor W. Adorno. Ein letzte Genie, S. Fischer, Frankfurt am Main 2003.

25. August 2008
18:00 Uhr

Haus der Stiftung Demokratie Saarland

Vortrag

Carmen Oschmann
Telefon: 0681 - 906 26 - 21

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