Archiv (Audio on demand)

Die Türkei

zwischen Militär, Islamismus und der EU

Der Beginn der Beitrittsverhandlungen mit der Türkei hat innerhalb der Europäischen Union zu heftigen Diskussionen geführt – bis hin zur Ablehnung des Verfassungsvertrages in Frankreich, die nicht zuletzt durch die Türkei-Frage motiviert war. Auch die politisch Handelnden auf europäischer Ebene sehen den Prozess mit durchaus gemischten Gefühlen, unabhängig davon, ob sie sich nun für oder gegen einen Beitritt des Bosporusstaates aussprechen. Hintergrund ist die Zerrissenheit der Türkei: Die religiös-konservative Regierung, die den Beitrittsprozess zu einer Lockerung der strikten Säkularität nutzt, sich aber auch mal die Einmischung der EU in innere Angelegenheiten verbittet, das Militär, das sich als Verfassungshüterin sieht und durch eine EU-Mitgliedschaft ein Aufweichen der Autonomie des Staates fürchtet, die Wirtschaft, die in der EU die Überbringerin größerer Freiheiten sieht und nicht zuletzt die Minderheiten, welche sich mehr Rechte erhoffen. Welche dieser Kräfte sich im Rahmen der Verhandlungen wie durchsetzen werden, ist derzeit noch völlig offen.

Gülistan Gürbey wird deshalb in ihrem Vortrag das politische System, das National- und Nationalismusverständnis erläutern, auf den Schutz von Minderheiten eingehen, die Rolle des Militärs darstellen, den politischen Islam beschreiben und den Reformprozess sowie die Auswirkungen der EU-Beitrittsperspektive auf die Demokratisierung des Landes schildern.

ReferentIn:

Pd Dr. Gülistan Gürbey

Pd Dr. Gülistan Gürbey

Pd Dr. Gülistan Gürbey

kam als Kind eines kurdischen Gastarbeiters aus der Türkei nach Deutschland. Sie promovierte in Politikwissenschaften an der Universität Bonn und habilitierte 2003 als erste Frau der zweiten deutschtürkischen Generation an der Freien Universität Berlin.

Heute ist Gülistan Gürbey Privatdozentin am Otto-Suhr-Institut der FU Berlin. Ihre Lehr- und Forschungsschwerpunkte sind Internationale Beziehungen mit Schwerpunkt Konfliktforschung und friedliche Konfliktbearbeitung, Internationaler Minderheitenschutz, Außenpolitik und Außenpolitikforschung mit Schwerpunkt auf defekte Demokratien sowie Migration und Flucht.

Die regionalen Schwerpunkte liegen auf der Türkei, Zypern, Kurdistan, OSZE, EU/Europa und ethnopolitischen Konflikten im Nahen Osten.

26. März 2007
18:00 Uhr

Haus der Stiftung Demokratie Saarland

Vortrag

Carmen Oschmann
Telefon: 0681 - 906 26 - 21