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Ist Demokratie-Export sinnvoll?

Das kommt darauf an! Jedenfalls kann man diese Frage nicht generell mit Ja oder Nein beantworten. In der Moderne zeichnen sich Demokratien durch ein gewisses Maß an politischem Missions-Enthusiasmus aus. Das galt unmittelbar nach 1789 für die französische Republik, und es gilt nach wie vor für die kurz vorher entstandenen Vereinigten Staaten von Amerika. In der Regel funktioniert Demokratie-Export aber nicht oder zumindest nicht gut. Wenn man einer Gesellschaft mit ihren eigenen kulturellen Traditionen und Grundvorstellungen über die Welt demokratische Strukturen von außen aufnötigt, dann ist das Risiko groß, dass alle damit verbundenen Werte und Normen, Regeln und Institutionen von einer großen Zahl der Menschen in dieser Gesellschaft nicht akzeptiert werden. Das ist vor allem dann der Fall, wenn es sich um ein bestimmtes Demokratie-Modell handelt, also etwa das amerikanische, das exportiert werden soll. Wir werden gerade Zeuge, wie diese Absichten scheitern, etwa im Irak oder in Afghanistan.
Andererseits gibt es aber auch durchaus positive Beispiele – die Bundesrepublik Deutschland ist so ein Fall. Und viele Menschen setzen ihre politischen Hoffnungen auf die jeweils von innen heraus angestoßene Ausbildung von Demokratie in bislang autoritär regierten Ländern und Diktaturen – von daher die große öffentliche Zustimmung in demokratischen Gesellschaften zu Vorgängen, wie sie jüngst in vielen arabischen Ländern zu beobachten sind. Ob solche Hoffnungen und weitergehende Konzepte wie das vom „demokratischen Frieden“ fundiert sind, ob und wie solche Demokratisierungs-Prozesse von außen gefördert werden können, ist in der Wissenschaft nach wie vor umstritten.

ReferentIn:

Prof. Dr. Wilfried von Bredow

Prof. Dr. Wilfried von Bredow

Prof. Dr. Wilfried von Bredow

geb. 1944, studierte von 1964 bis 1968 an den Universitäten Bonn und Köln Politikwissenschaft, Soziologie und Literaturwissenschaft. Nach der Promotion 1969 über den Wehrbeauftragten Heye war er zunächst wissenschaftlicher Assistent, dann Akademischer Rat am Seminar für Politische Wissenschaft der Universität Bonn. 1972 wurde er auf eine Professur für Internationale Beziehungen und Außenpolitik an die Philipps-Universität Marburg berufen, die er bis zu seiner Emeritierung 2009 inne hatte. Zwischendurch war er Vizepräsident der Philipps-Universität (1975-1977) und verbrachte insgesamt mehrere Jahre als Research Fellow und Gastprofessor an Universitäten in Europa, Nordamerika und Asien. Zu seinen jüngsten Buchveröffentlichungen zählen „Militär und Demokratie in Deutschland“ (2008); „Die Außenpolitik der Bundesrepublik Deutschland“ (2. Aufl. 2009); „Politische Urteilskraft“ (2009, mit Thomas Noetzel).

22. August 2011
18:00 Uhr

Haus der Stiftung Demokratie Saarland

Vortrag

Carmen Oschmann
Telefon: 0681 - 906 26 - 21

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