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Kinder für den „Lebensborn“: Geraubtes Leben

Psychosoziale Folgen des nationalsozialistischen Rassenwahns

Mit der Gründung des „Lebensborn e.V.“ im Jahr 1935 wollte Himmler angeblich Abtreibungen unehelicher Kinder verhindern, da die Gesellschaft nichtverheiratete Mütter ächtete und außerehelichen Kindern den sozialen Aufstieg erschwerte. In den „Lebensbornheimen“ konnten diese Frauen ihre Kinder unter Geheimhaltung zur Welt bringen. Das Ziel der angeblichen Sorge war aber die Schaffung einer „rassischen Elite“, während gleichzeitig „unwertes“ Leben ausgerottet wurde. Ausschließlich Mütter, von denen „erwünschter Nachwuchs“ zu erwarten war, profitierten von der angeblichen „Wohlfahrtseinrichtung“. Der „Lebensborn e.V.“ beteiligte sich am Programm der „Germanisierung“: Als angeblich „volksdeutsch“ wurden Kinder mit „arischem“ Aussehen geraubt, verschleppt, zu „deutscher Lebensweise“ umerzogen und  an Pflege- oder Adoptiveltern vermittelt. Die unehelich in den „Lebensborn“-Heimen geborenen Kinder und die ihrer Eltern beraubten Kinder sind traumatisiert.  Die Familientherapeutin und Autorin Gisela Heidenreich, selbst als „Lebensbornkind“ 1943 in Oslo geboren, setzt sich seit Jahrzehnten mit dem „Lebensborn e.V.“ und den Folgen seiner Ideologie auseinander.

HINWEIS: Um 17:00 Uhr zeigen wir den Film Zwei Lebensborn Schicksale. Die langsame Entdeckung der eigenen Biographie.

Vortrag im Rahmen der Parallelausstellung „Geraubte Kinder – vergessene Opfer“ und „Der Lebensborn e.V.“

Referentin:

Buchcover

Gisela Heidenreich

geb. 1943 in Oslo/Norwegen, aufgewachsen in Bad Tölz/Obb. und in München. Studium an der LMU München. Sie ist Sonderpädagogin, Paar- u. Familientherapeutin sowie Mediatorin in freier Praxis. Zudem ist Gisela Heidenreich Dozentin und Supervisorin an der Bayerischen Akademie für Gesundheit Lauterbacher Mühle, Seeshaupt. Seit 2007 ist die Autorin P.E.N.-Mitglied. 1977 begann sie mit Übersetzungen aus dem Englischen, u.a. Theaterstücke (gemeinsam mit ihrem Mann Gert Heidenreich). Nach umfänglichen Recherchen erschien 2002 ihre in den historischen Kontext eingearbeitete Autobiographie: „Das endlose Jahr – Die langsame Entdeckung der eigenen Biographie, ein „Lebensborn“-Schicksal.“ Ihre Mutter vermittelte als Angestellte des Vereins die Pflege und Adoption von in den Heimen geborenen und von geraubten Kindern. Als Zeugin in Nürnberg trug sie durch ihre falschen Aussagen zum Freispruch des „Lebensborn e.V.“ bei. Weitere Publikationen sind „Sieben Jahre Ewigkeit – Eine deutsche Liebe“ (2007) oder „Geliebter Täter – Ein Diplomat im Dienst der Endlösung“ (2011).

11. April 2017
18:00 Uhr

Politische Akademie
Europaallee 18
66113 Saarbrücken

Vortrag

Dr. Verena Paul
Telefon: 0681 - 906 26 - 24

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