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Lynchjustiz in den USA

Lynchjustiz – bis heute verbunden mit Rassismus, Terror und Gewalt, mit dem berühmt-berüchtigten Ku-Klux-Klan und dem amerikanischen Süden – kostete im Laufe der amerikanischen Geschichte Zehntausende Menschen das Leben. Im Namen der „Gerechtigkeit“, der „Selbstverteidigung des Volkes“ und der „Vorherrschaft der weißen Rasse“ wurden Menschen geteert und gefedert, gefoltert, gehängt oder verbrannt. Mehr oder weniger organisierte Gruppen, die den Anspruch erhoben, im Namen lokaler Gemeinschaften und einer höheren Gerechtigkeit zu handeln, nahmen sich das Recht heraus, angebliche Verbrecher zu bestrafen. Manfred Berg wird in seinem Vortrag die Geschichte der Lynchjustiz von ihren Anfängen in der Kolonialzeit bis in die Gegenwart beleuchten. Er wird vom Widerstand gegen die Lynchjustiz berichten und folgenden Fragen nachgehen: Warum fand die Lynchjustiz um die Mitte des 20. Jahrhunderts ein Ende? Welche Spuren hat sie in der amerikanischen Kultur hinterlassen? Warum findet das staatliche Gewaltmonopol in den USA eine vergleichsweise geringe Akzeptanz und weshalb wird hier die drakonischste Strafjustiz der westlichen Welt praktiziert? Und schließlich fragt unser Referent nach den Kontinuitäten zwischen dem Lynchen und der Praxis der Todesstrafe.

In Kooperation mit der Heinrich Böll Stiftung Saar.

Referent:

Prof. Dr. Manfred Berg

geb. 1959 in Wesel am Niederrhein, ist Curt-Engelhorn-Stiftungsprofessor für Amerikanische Geschichte am Historischen Seminar und am Heidelberg Center for American Studies der Universität Heidelberg. Als Wissenschaftler war er u.a. am John F. Kennedy-Institut für Nordamerikastudien der Freien Universität Berlin und am Deutschen Historischen Institut in Washington, D.C. tätig. Von 2003 bis 2005 war er Direktor des Zentrums für USA-Studien an der Stiftung Leucorea der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Zu seinen Publikationen zählen u.a. „The Ticket to Freedom. Die NAACP und das Wahlrecht der Afro-Amerikaner. Nordamerikastudien“ (2000) sowie „Lynchjustiz in den USA“ (dt. 2014), das Michael Pfeifer, Professor an der City University of New York, als „Meilenstein der Geschichtsschreibung zur Gewalt in Amerika“ bezeichnete.

05. Oktober 2016
18:00 Uhr

Politische Akademie
Europaallee 18
66113 Saarbrücken

Vortrag

Dr. Verena Paul
Telefon: 0681 - 906 26 - 24

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