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Palästina, quo vadis?

Wer den Versuch unternimmt, sich im Nahen Osten in einem Friedensprozess zu engagieren, sollte es mit Antonio Cramsci halten: „Wir brauchen den Pessimismus der Intelligenz und den Optimismus der Tat.“ Wie oft schon schien eine Lösung nahe, doch dann brach alles wieder zusammen: Friedensnobelpreis, Camp David oder Road Map waren einst mit Hoffnung erfüllte Begriffe, deren Hoffnung jedoch trog.

Die größte Erschütterung erlebten aber jene, die, von missionarischem Eifer getrieben, die Überzeugung vertraten, daß am westlichen Wesen und insbesondere der Demokratie die Welt genesen werde. Der Sieg der radikalen Hamas in freien demokratischen Wahlen hingegen droht, dieses Weltbild zu zerstören. Schnell waren entschuldigende Erklärungen zur Hand, um das Weltbild doch noch zu retten; in der Regel handelte es sich um die Behauptung, daß die Palästinenser die Hamas ja eigentlich gar nicht wollten, der Fatah aber einen Denkzettel verpassen mußten. Wer jedoch den Jubel in den palästinensischen Straßen nach dem Anschlag vom 11. September gesehen hat, wird Zweifel an der Erklärung des Wahlausganges bekommen und sie zunächst für eine Schutzbehauptung halten.

Die Hamas ist nun ein offizieller Mitspieler, wodurch es nun nur noch zwei Alternativen gibt: Entweder wird der neue Spieler akzeptiert oder aber das Spiel beendet. Beide Optionen aber sind aus westlicher Sicht nicht akzeptabel. Einfach ohne ihn weiterzuspielen geht hingegen nicht, wie die sich vertiefende sozio-ökonomische Krise in den Palästinensergebieten, die innerpalästinensischen Machtkämpfe seit dem Regierungswechsel und die Annäherungen zwischen Hamas und dem Iran zeigen, der das entstandene Handlungsvakuum zu nutzen und in seinem Sinne zu füllen bestrebt ist. Die Möglichkeit einer sich herausbildenden Achse Gaza-Teheran ist durch die Sommerkriege 2006 weiter unterstrichen worden.

Die Bemühungen um die Bildung einer nationalen Einheitsregierung in den palästinensischen Autonomiegebieten finden vor dem Hintergrund eines neuerlichen internationalen Anlaufs zur Lösung des nahöstlichen Jahrhundertkonflikts statt. Die Wechselwirkungen zwischen beiden politischen Schauplätzen sind dergestalt, daß im Moment niemand eine auch nur annähernd realistische Prognose abgeben kann. Margret Johannsen wird deshalb in ihrem Vortrag nur mögliche Tendenzen aufzeigen, die neu hinzugekommenen Akteure portraitieren und insbesondere die politischen Strömungen und ihre Einflüsse in Israel und Palästina analysieren.

ReferentIn:

Dr. Margret Johannsen

Dr. Margret Johannsen

Dr. Margret Johannsen

geboren 1946. 1. Staatsexamen 1972, 2. Staatsexamen 1975, Promotion in Politischen Wissenschaften an der Universität Hamburg 1994; Schuldienst 1977–1987; abgeordnete Pädagogin am Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg (IFSH) 1987–1997, seit 1997 Senior Research Fellow am IFSH; seit 2004 Dozentin im Postgraduiertenstudiengang "Master of Peace and Security Studies - M.P.S." der Universität Hamburg.

26. Februar 2007
18:00 Uhr

Haus der Stiftung Demokratie Saarland

Vortrag

Carmen Oschmann
Telefon: 0681 - 906 26 - 21