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Schwierige Nachbarschaften

Die Ost- und Westpolitik der Ostmitteleuropäer

Die deutsch-polnischen Beziehungen haben sich nach 1989/90 auf der staatlichen Ebene so gut entwickelt wie seit Jahrhunderten nicht mehr, in den 90er Jahren wurde von einer deutsch-polnischen Interessen- und Wertegemeinschaft gesprochen. Der „Unterbau“ dieser Beziehungen im wirtschaftlichen Bereich ist sehr solide, die Handelsumsätze wachsen von Jahr zu Jahr. Deutschland nimmt ein Drittel der polnischen Exporte auf und ist mit Abstand Polens wichtigster Handelspartner. Mit fast 400 liegt die Zahl der deutsch-polnischen Städtepartnerschaften deutlich über der der deutsch-französischen. Zahlreiche Initiativen von unten, insbesondere in den polnischen Gebieten, die vor dem Zweiten Weltkrieg deutsch waren, haben inzwischen das Gemeinsame über das Trennende in den deutsch-polnischen Beziehungen gestellt.

Dennoch sind seit 2001 in den deutsch-polnischen Beziehungen spürbare atmosphärische Trübungen eingetreten, die vor allem in unterschiedlichen Dimensionen der Bewertung des Zweiten Weltkriegs und seiner unmittelbaren Folgen liegen. Hinzu kommen vor dem Irak-Krieg im Dialog der Politiker kaum thematisierte Bereiche wie die transatlantischen Beziehungen, insbesondere das Verhältnis der EU zu den USA. Polen also als Störenfried in den europäisch-amerikanischen Beziehungen? In der Ukraine-Krise Ende 2004 konnte Polen dagegen dank enger Zusammenarbeit mit Brüssel einen großen Erfolg feiern, der auch von Deutschland unterstützt wurde. Wo also stehen die deutsch-polnischen Beziehungen heute? Werden sie in erster Linie von der Vergangenheit oder Problemen der Zukunft bestimmt? Die Veranstaltung versucht hierauf eine Antwort zu geben.

ReferentIn:

Prof. Dr. Klaus Ziemer

geb. 1946 in Heidelberg,

von 1966 bis 72 Studium in Politikwissenschaft, Geschichte und Latein an den Universitäten Heidelberg und München. Von 1972–73 Auditeur Libre du Troisième Cycle an der Fondation Nationale des Sciences Politiques, Paris, von 1973–86 wiss. Assistent an der Universität Heidelberg. 1977 Promotion zum Dr. phil. an der Universität Heidelberg und 1985 Habilitation in Politischer Wissenschaft an der Universität Heidelberg. Von 1986–91 Lehrstuhlvertretungen an den Universitäten Essen, München, Mannheim und Trier und ab 1991 Professor für Politikwissenschaft an der Universität Trier. Seit 1998 Direktor des Deutschen Historischen Instituts Warschau und Professor für Politikwissenschaft an der Kardinal-Stefan-Wyszyński-Universität in Warschau.

26. Juni 2006
18:00 Uhr

Haus der Stiftung Demokratie Saarland

Vortrag

Villa Lessing

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