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Traditionspflege in der Bundeswehr

„Bürger in Uniform“ ist das Leitbild der deutschen Bundeswehr. Sie soll nach der Verfassung eine Organisation sein, die nicht nur demokratischer Kontrolle unterworfen ist und deren Mitglieder sich selbst als demokratisch Handelnde verstehen, sondern die sich vor allem aus ganz normalen Staatsbürgern zusammensetzt. Als Beispiel für diese Idee mag das sensationelle Urteil des Bundesverfassungsgerichtes aus dem Jahr 2004 dienen, das einen Soldaten „freisprach“, der seinen Dienst aus Gewissensgründen verweigert hatte, weil die Ausführung seiner Order indirekt den Krieg im Irak unterstützt hätte.

Dies ist die eine Seite. Doch es gibt noch eine andere, welche die Bundeswehr nicht als etwas Neues versteht, sondern sie als die militärische Organisation des deutschen Staates sieht, wie er sie (fast) immer gehabt hat. Diese Auffassung sieht die Bundeswehr in ungebrochener Tradition des deutschen Militärs, auf der Suche nach einem militärischen Milieu „sui generis“.

Seit der Gründung der Bundeswehr gibt es einen heißen ideologischen Kampf dieser beiden Positionen. Immer wieder konnten die Traditionalisten Erfolge verbuchen, die sich sehr praktisch äußern: Zum Beispiel beim Großen Zapfenstreich bei der Verabschiedung des Bundeskanzlers, bei der Formulierung des gültigen Traditionserlasses oder bei Fragen der Toleranz im Alltag der Bundeswehr. Hinzu kommt, dass nach wie vor zahlreiche Kasernen und andere militärische Einrichtungen an NS-Herrschaft und Nazi-Helden erinnern. Und nicht zuletzt die Debatte um die Abschaffung der Wehrpflicht und die Umwandlung der Bundeswehr in eine Freiwilligen- oder Berufsarmee droht die Idee des „Bürgers in Uniform“ aufzugeben. Detlef Bald wird eine Bestandsaufnahme vornehmen und anhand von aktuellen Beispielen zeigen, welches Selbstverständnis in der Bundeswehr derzeit vorherrscht.

ReferentIn:

Dr. Detlef Bald

Dr. Detlef Bald

Dr. Detlef Bald

geboren 1941 in Plettenberg/Westf., Studium der Politikwissenschaft und Geschichte in Freiburg/Brsg., war wiss. Mitarbeiter des Arnold-Bergstraesser-Instituts in Freiburg, wiss. Assistent am Seminar für Politische Bildung der Universität Frankfurt/M., arbeitete u.a. mit an der Bundeswehr-Reform von Minister Helmut Schmidt, war bis 1996 zuständig für Militär und Gesellschaft am Sozialwissenschaftlichen Institut der Bundeswehr und ist seitdem als freier Publizist in München und am Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg tätig.

25. Juni 2007
18:00 Uhr

Haus der Stiftung Demokratie Saarland

Vortrag

Carmen Oschmann
Telefon: 0681 - 906 26 - 21

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