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Zur symbolischen und realen Geschichte des linken Terrorismus in Deutschland

ACHTUNG: Der Vortrag wurde von Montag, den 5.5., auf Dienstag, den 6.5. verlegt!

Die emotional aufgeladene Diskussion im Frühjahr 2007 über die Haftentlassung bzw. Begnadigung ehemaliger Kernkader der RAF hat vor allem eines gezeigt: Die mit dem Kürzel RAF verknüpfte Geschichte des linken Terrorismus der siebziger und achtziger Jahre gehört nach wie vor zu den traumatisch besetzten Erinnerungen der Bundesrepublik Deutschland.

Die Stimmung nach der Baader-Befreiung im Mai 1970 glich sehr schnell einer Hysterie, die alles weit überstieg, was dieser „bewaffnete Kampf“ politisch und militärisch bedeutete. Die Republik geriet in einen Ausnahmezustand, obwohl davon allenfalls im „deutschen Herbst“ 1977 für einen kurzen Moment die Rede sein konnte.

Was trieb diese Eskalation der Gewalt und der politischen Polarisierungen an? Was hält uns heute an dieser an sich erledigten Geschichte noch immer derart im Bann?
Jedenfalls wird man die Antwort weniger im Feld der sozialen und politischen Geschichte, sondern eher der Mentalitätengeschichte der Bundesrepublik finden. Sowohl in den Reaktionen der Mehrheitsgesellschaft wie in den Aktionen der terroristischen Gruppen selbst überwogen symbolische Bedeutungen alle realen Anliegen. In diesem Sinne ist die Geschichte der RAF eine noch zu dechiffrierende Schlüsselgeschichte der bundesdeutschen Nachkriegsgesellschaft im Ganzen.

ReferentIn:

Gerd Koenen

Gerd Koenen

Gerd Koenen

geboren 1944 in Marburg/Lahn. Studium der Geschichte, Politikwissenschaften und Romanistik in Tübingen und Frankfurt. Staatsexamen 1972. Wissenschaftlicher Mitarbeiter bei Iring Fetscher. In den Jahren 1967 bis 1980 politischer Aktivist, anfangs des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes (SDS), später des Kommunistischen Bundes Westdeutschland (KBW), seit 1976 als Redakteur des Zentralorgans KVZ. In den 80er Jahren Tätigkeit Arbeit als Verlagslektor (Sendler), Herausgeber von Audio-Dokumentationen (Network Medien), Mitarbeiter von Rundfunk-Anstalten sowie als Zeitschriften-Redakteur (PflasterStrand) in Berlin und Frankfurt/M.

 

Seit 1990 kontinuierliche Tätigkeit als freier Publizist für Presse, Funk und Fernsehen, als Veranstalter (Ost-westeuropäisches Kulturzentrum Palais Jalta Frankfurt) sowie als Autor einer Reihe historischer Sachbücher. In den Jahren 1993 bis 1996 zugleich wissenschaftlicher Mitarbeiter am Forschungsprojekt „West-östliche Spiegelungen“ von Lew Kopelew (an der Universität Wuppertal). Dissertation im Fach Osteuropäische Geschichte 2002/03 an der Universität Tübingen. Seit dem 1. April 2008 arbeitet Gerd Koenen als Senior Fellow am neu gegründeten „Freiburg Institute of Advanced Studies“ (FRIAS) an einem Projekt zur vergleichenden Kommunismusforschung.

 

Zuletzt erschienen: Der Russland-Komplex. Die Deutschen und der Osten 1900-1945, München 2005. Für dieses Buch wurde Gerd Koenen mit dem Leipziger Buchpreis für europäische Verständigung 2007 ausgezeichnet (zusammen mit Michail Ryklin).

06. Mai 2008
18:00 Uhr

Haus der Stiftung Demokratie Saarland

Vortrag

Carmen Oschmann
Telefon: 0681 - 906 26 - 21

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