Versöhnungsprozesse in Europa:

Deutschland nach 1945

Im Jahre 1945 stand Deutschland ohnmächtig und geächtet vor den Trümmern seiner Politik. Rassischer Weltanschauungskrieg und systematische Vernichtung der europäischen Juden waren ein zivilisatorischer Bruch und belegten die Deutschen mit einer moralischen Schuld. So ist die deutsche Nachkriegsgeschichte vor allem die Geschichte der schwierigen Auseinandersetzung mit der eigenen verbrecherischen Vergangenheit. Für die Deutschen galt es, das Vertrauen ihrer Nachbarn neu zu gewinnen, um den Weg zurück in den Kreis der zivilisierten Völker zu finden. In Politik und Zivilgesellschaft wuchsen schnell erste Initiativen, die auf Verständigung und Versöhnung abzielten. Mentale Demobilisierung und Abbau von Feindbildern gehörten zu den Aufgaben, um nach dem Krieg ein friedvolles Miteinander in Gegenwart und Zukunft herzustellen. Wie aber wurden über symbolische Gesten, Erinnerungs- und Gedenkorte, durch Organisationen und Institutionen, über Aktionsfelder und Handlungsformen Prozesse eingeleitet, die zur Verständigung zwischen den Deutschen und ihren europäischen Nachbarn beitrugen? Diesen Fragen, die auch für die Gegenwart von großer Bedeutung sind, wird unser Referent in seinem Vortrag nachspüren.

Referent:

Prof. Dr. Ulrich Pfeil

geb. 1966, ist Professor für Deutschlandstudien an der Université de Lorraine in Metz. Schwerpunkte seiner Forschungsarbeit bilden die deutsch-französischen Beziehungen, die Geschichte der DDR und des Kalten Krieges sowie Versöhnungsprozesse in Europa. Zu seinen Veröffentlichungen gehören u.a. „Die ‚anderen‘ deutsch-französischen Beziehungen. Die DDR und Frankreich 1949-1990“ (Zeithistorische Studien des Zentrums für Zeithistorische Forschung Potsdam, Bd. 26, 2004), „Deutsch-Französische Geschichte, Bd. 10: Eine Nachkriegsgeschichte in Europa 1945-1963“ (2011, gemeinsam mit Corine Defrance), „Verständigung und Versöhnung nach dem „Zivilisationsbruch“? Deutschland in Europa nach 1945“ (2016, mit Corine Defrance (Hg.)) sowie die 2017 erschienene Publikation „Der Kalte Krieg im Schulbuch“ (gemeinsam mit Franziska Flucke und Bärbel Kuhn (Hg.)). 

12. März 2018
18:00 Uhr

Politische Akademie der SDS
Europaallee 18
66113 Saarbrücken

Vortrag

Dr. Verena Paul
Telefon: 0681 - 906 26 - 24