Europa gegen die Juden 1880-1945

Der Holocaust ist nicht allein aus der deutschen Geschichte heraus erklärbar. Sowohl in West- als auch in Osteuropa hatte die Judenfeindschaft seit 1880 sprunghaft zugenommen. Ohne die Schuld der deutschen Täter zu mindern, zeigt Götz Aly, wie Rivalität und Neid, Diskriminierung und Pogrome vielerorts dazu beigetragen haben, den Boden für Deportationen und Morde zu bereiten.

Deutsche stellten die technischen Mittel bereit und einen erheblichen Teil des Personals. Sie stützten ihre Politik der Ausgrenzung und Vernichtung auf die starken und in den zurückliegenden Jahrzehnten immer stärker gewordenen Wünsche, die Juden irgendwie loszuwerden. Ohne die vielen arbeitsteilig helfenden Einheimischen in den von Deutschland besetzten und mit Deutschland verbündeten Ländern, ohne die dort mitwirkenden Verwaltungsbeamten, Polizisten, Journalisten und Politiker hätte sich das Projekt „Endlösung“ nicht mit atemberaubender Geschwindigkeit verwirklichen lassen.

Referent:

Dr. Götz Haydar Aly

geb. 1947, studierte Politische Wissenschaft und Geschichte. Er arbeitete für die taz, die Berliner Zeitung und als Gastprofessor. Seine Bücher werden in viele Sprachen übersetzt. 2002 erhielt er den Heinrich-Mann-Preis, 2003 den Marion-Samuel-Preis und 2012 den Ludwig-Börne-Preis. Zuletzt veröffentlichte er „Warum die Juden? Warum die Deutschen? Gleichheit, Neid und Rassenhass 1800–1933“ (2011), „Unser Kampf. 1968 – ein irritierter Blick zurück“ (2008), „Fromms. Wie der jüdische Kondomfabrikant Julius F. unter die deutschen Räuber fiel“ (mit Michael Sontheimer 2007), „Volkes Stimme. Skepsis und Führervertrauen im Nationalsozialismus“ (mit Frankfurter Studenten 2006) und „Hitlers Volksstaat. Raub, Rassenkrieg und nationaler Sozialismus“ (2005). Er gehörte bis 2010 zu den Begründern und Herausgebern der Quellenedition „Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933–1945“.

11. Dezember 2017
18:00 Uhr

Politische Akademie der SDS
Europaallee 18
66113 Saarbrücken

Vortrag

Dr. Verena Paul
Telefon: 0681 - 906 26 - 24