Menschenschatten – L'ombre des hommes

Werke von Seiji Kimoto

„Kunst muss uns berühren und Spuren in uns hinterlassen“, so das Postulat des in Japan geborenen Künstlers Seiji Kimoto. Und in der Tat bindet er uns sowohl mit den figurativen als auch mit den sich der Gegenständlichkeit entziehenden Arbeiten in ein Geflecht aus Gefühlen und Gedanken ein. Dabei werden wir Zeugen einer zerreißenden Stille, die aus überdehnten, geknebelten und fragmentierten Leibern entströmt. Und es drängen sich uns Fragen auf – sowohl hinsichtlich der Ursprünge einer entfesselten Unmenschlichkeit als auch hinsichtlich der Frage nach Menschenwürde und menschlichen Werten. Seiji Kimoto klagt mitnichten an, vielmehr beobachtet er aufmerksam und ergründet das Sein des Menschen, um so das Abgründige von dessen Handeln Schicht für Schicht freizulegen.

Die skulpturalen Werke Seiji Kimotos erzählen Geschichten von entgleister Machtanwendung, die sich an unterdrückten, versehrten und gemarterten Menschen artikuliert. In ihrer klaren, unverkennbaren Formensprache, die die widerstreitenden Prinzipien von Spaltung und Bindung, Druck und Aufbegehren, Spannung und Lösung in sich vereinen, machen sie Unterdrückung nicht nur begreifbar, sondern erlebbar. Präsentiert in der ehemaligen Kohlewäsche des Parc Explor Wendel entfalten diese raumgreifenden Arbeiten eine Eigendynamik und spinnen den Erzählfaden dort weiter, wo Seiji Kimoto ihn bei der Fertigstellung im Atelier hat ruhen lassen: die Menschenschatten interagieren mit dem Raumkorpus aus Stein und Metall und lassen neue Interpretationen zu.

Von einer gleichermaßen gestalterischen als auch inhaltlichen Präsenz sind die Tuschezeichnungen, die sich in den modernen Räumlichkeiten der Stiftung Demokratie Saarland entfalten können. In ihrem kontemplativen Duktus stehen sie ganz in der Tradition der Zen-Malerei, werden jedoch durch geometrisch-strenge Strichinterventionen herausgefordert. Auf diese Weise verwandeln sie Stillstand in Bewegung, Schwere in Leichtigkeit und Geschlossenheit in Öffnung, sodass die kraftvollen Pinselschwünge und die filigranen Striche in einen spannenden Dialog treten. Während uns die skulpturalen Arbeiten Schmerzgrenzen regelrecht erspüren lassen, werden wir von den Tuschearbeiten behutsam ins Zentrum des Unrechts geleitet.

Plastiken und Tuschezeichnungen sind durch den künstlerischen Schaffensprozess sowie ihren inhaltlichen Gehalt eng miteinander verflochten. Aufgrund dieser Geschlossenheit ist es dem Parc Explor Wendel und der Stiftung Demokratie Saarland nicht nur möglich, Exponate Seiji Kimotos räumlich getrennt, sondern zudem über Landesgrenzen hinweg zu zeigen und damit auf die gemeinsamen Zielsetzungen beider Nationen im Umgang mit der Geschichte des 20. Jahrhunderts zu verweisen.

in Kooperation mit Parc Explor Wendel

Tuschezeichnung 2018 © Seiji Kimoto

Seiji Kimoto ist 1937 in Osaka/Japan geboren. Nach seinem Studium der Innenarchitektur und Zen-Malerei in Osaka arbeitete er mehrere Jahre als freischaffender Innenarchitekt. Während seines Studiums an der Staatlichen Werkschule Saarbrücken bei Prof. Dr. Boris Kleint wurde er Mitbegründer der Gruppe 7 und Gründungsmitglied der BBK Saarland. Seit 1971 ist er als freischaffender Bildender Künstler im Saarland tätig, 1985 war er Gründungsmitglied des Saarländischen Künstlerhauses. Seiji Kimoto bleibt ein ewiger Reisender zwischen den Kulturen. Er lebt seit Langem in Neunkirchen und nutzte die räumliche Entfernung, um sein Heimatland Japan wiederzuentdecken und auf überraschende, aber überzeugende Art traditionelle Elemente japanischer Kunst und Kultur in seine Werke zu integrieren.

20. Oktober 2018
bis
11. Januar 2019

Politische Akademie
Europaallee 18
66113 Saarbrücken

Ausstellung

Dr. Verena Paul
Telefon: 0681 - 906 26 - 24