Die gefährlichste Krankheit

Eine Ausstellung von Antikriegsmuseum, Friedensbibliothek der Evangelischen Kirche in Berlin-Brandenburg vom 13. April bis 07. Juni 2019 in der Politischen Akademie

Die Ausstellung über die französische Philosophin und Sozialrevolutionärin Simone Weil (1909-1943) gibt anhand von Textpassagen Einblick in ihr Denken und Wirken. Kombiniert mit den Arbeiten bedeutender Fotografen wie André Kertész, Richard Avedon, August Sander, Jeanloup Sieff, Robert del Tredici, Josef Koudelka, Josef Sudek, Edouard Boubat oder Ansel Adams, zirkulieren die Texte Weils um Fragen der Ein- und Entwurzelung von der Weimarer Republik bis zur Gegenwart. Dabei entsteht eine Symbiose aus prägnanten, gedankentiefen Aussagen Weils und fotografischen Werken, die Alltagsszenen, Landschaften, Menschen oder scheinbar randständige Gegenstände zum Sprechen bringen.

Doch wer war Simone Weil? Aufgewachsen in einer großbürgerlichen jüdischen Familie in Paris, zeigt sich schon früh ihre Sprachbegabung, aber auch ihre Eigenwilligkeit. Nach dem Abitur, das sie 1925 mit gerade einmal sechzehn Jahren ablegt, beschäftigt sich Simone Weil noch vor Aufnahme ihres Philosophiestudiums mit großen Denkern wie Platon, Spinoza, Descartes, Kant oder Marx. In dieser Zeit setzt auch das Reflektieren über Begriffe wie „Arbeit“ und „Gerechtigkeit“ ein und so verbindet sie Philosophie und politische Theorie mit der Realität sozialer Probleme. Ihr auf die Menschenwürde gerichtetes Augenmerk – gerade mit Blick auf das Thema „Arbeit“ – gewinnt sie später aus ihrer Tätigkeit als Hilfs- und Akkordarbeiterin. Neben dem sozialen Engagement setzt sich die junge Frau weiterhin in vielfältiger Form politisch ein, sei es durch das Schreiben kritischer Artikel, durch die Teilnahme an Streiks und Demonstrationen oder durch die illegale Tätigkeit in der Resistance. Doch jenes aktive, handelnde Element geht bei ihr zugleich mit Kontemplation und Spiritualität einher.

„Die Autorin liegt mir auf der Seele wie eine Prophetin“, schreibt Heinrich Böll über die 1943 im englischen Exil an Herzmuskelschwäche verstorbene Simone Weil. Und er fährt fort: „es ist der Literat in mir, der Scheu vor ihr hat; es ist der potentielle Christ in mir, der sie bewundert, der in mir verborgene Sozialist, der in ihr eine zweite Rosa Luxemburg ahnt […]. Ich möchte über sie schreiben, ihrer Stimme Stimme geben, aber ich weiß: ich schaffe es nicht, ich bin ihr nicht gewachsen, intellektuell nicht, moralisch nicht, religiös nicht.“

Die Entwurzelung ist bei weitem die gefährlichste Krankheit der menschlichen Gesellschaft. Wer entwurzelt ist, entwurzelt. Wer verwurzelt ist, entwurzelt nicht. Die Verwurzelung ist vielleicht das wichtigste und meistverkannte Bedürfnis der menschlichen Seele. Simone Weil

 

Die Ausstellungseröffnung ist am Freitag, den 12. April 2019, um 18:00 Uhr.

 

Ansprechpartnerin:

Dr. Verena Paul
Email vp@sdsaar.de