Menschenschatten – L'ombre des hommes

Werke von Seiji Kimoto vom 20. Oktober 2018 bis 11. Januar 2019 in der Politischen Akademie

in Kooperation mit Parc Explor Wendel

Die groß angelegte, grenzüberschreitende Schau „Menschenschatten – L’ombres des hommes“ im Parc Exlor Wendel in Petite-Rosselle und in der Stiftung Demokratie Saarland in Saarbrücken spürt der Komplexität von Seiji Kimotos Werk nach. Vom 16. Juni bis 02. September 2018 werden zunächst die skulpturalen Werke in Frankreich gezeigt, die dem menschlichen Leiden einen berührenden, bisweilen verstörenden und nicht zuletzt erschütternden Ausdruck verleihen. Anschließend stehen vom 20. Oktober 2018 bis 11. Januar 2019 in Deutschland die meditativen, zugleich sehr kraftvollen Tuschezeichnungen im Zentrum, die durch ausgewählt Plastiken ergänzt werden.

„Kunst muss uns berühren und Spuren in uns hinterlassen“, so das Postulat des in Japan geborenen Künstlers Seiji Kimoto. Und in der Tat bindet er uns sowohl mit den figurativen als auch mit den sich der Gegenständlichkeit entziehenden Arbeiten in ein Geflecht aus Gefühlen und Gedanken ein. Dabei werden wir Zeugen einer zerreißenden Stille, die aus überdehnten, geknebelten und fragmentierten Leibern entströmt. Und es drängen sich uns Fragen auf – sowohl hinsichtlich der Ursprünge einer entfesselten Unmenschlichkeit als auch hinsichtlich der Frage nach Menschenwürde und menschlichen Werten. Seiji Kimoto klagt mitnichten an, vielmehr beobachtet er aufmerksam und ergründet das Sein des Menschen, um so das Abgründige von dessen Handeln Schicht für Schicht freizulegen.

Die skulpturalen Werke Seiji Kimotos erzählen Geschichten von entgleister Machtanwendung, die sich an unterdrückten, versehrten und gemarterten Menschen artikuliert. In ihrer klaren, unverkennbaren Formensprache, die die widerstreitenden Prinzipien von Spaltung und Bindung, Druck und Aufbegehren, Spannung und Lösung in sich vereinen, machen sie Unterdrückung nicht nur begreifbar, sondern erlebbar. Präsentiert in der ehemaligen Kohlewäsche des Parc Explor Wendel entfalten diese raumgreifenden Arbeiten eine Eigendynamik und spinnen den Erzählfaden dort weiter, wo Seiji Kimoto ihn bei der Fertigstellung im Atelier hat ruhen lassen: die Menschenschatten interagieren mit dem Raumkorpus aus Stein und Metall und lassen neue Interpretationen zu.

Von einer gleichermaßen gestalterischen als auch inhaltlichen Präsenz sind die Tuschezeichnungen, die sich in den modernen Räumlichkeiten der Stiftung Demokratie Saarland entfalten können. In ihrem kontemplativen Duktus stehen sie ganz in der Tradition der Zen-Malerei, werden jedoch durch geometrisch-strenge Strichinterventionen herausgefordert. Auf diese Weise verwandeln sie Stillstand in Bewegung, Schwere in Leichtigkeit und Geschlossenheit in Öffnung, sodass die kraftvollen Pinselschwünge und die filigranen Striche in einen spannenden Dialog treten. Während uns die skulpturalen Arbeiten Schmerzgrenzen regelrecht erspüren lassen, werden wir von den Tuschearbeiten behutsam ins Zentrum des Unrechts geleitet.

Plastiken und Tuschezeichnungen sind durch den künstlerischen Schaffensprozess sowie ihren inhaltlichen Gehalt eng miteinander verflochten. Aufgrund dieser Geschlossenheit ist es dem Parc Explor Wendel und der Stiftung Demokratie Saarland nicht nur möglich, Exponate Seiji Kimotos räumlich getrennt, sondern zudem über Landesgrenzen hinweg zu zeigen und damit auf die gemeinsamen Zielsetzungen beider Nationen im Umgang mit der Geschichte des 20. Jahrhunderts zu verweisen.

 

Die Ausstellungseröffnung in Saarbrücken ist am Freitag, den 19. Oktober 2018, um 18:00 Uhr.

Ausstellung in Petite-Rosselle: 15. Juni – 15. August 2018

L'exposition à Petite-Rosselle: 15 juin > 02 septembre 2018

 

Ansprechpartnerin:

Dr. Verena Paul
Email vp@sdsaar.de