SATIRE und JUSTIZ

Eine Ausstellung des Deutschen Kabarettarchivs vom 22. Juni bis 09. August 2019 in der Politischen Akademie

In der aktualisierten Ausstellung des Deutschen Kabarettarchivs beleuchten rund 30 Bildtafeln das Thema „Satire und Justiz“. Bereits 1919 stellte sich Kurt Tucholsky, einer der bedeutendsten Journalisten und Schriftsteller der Weimarer Republik, die Frage „Übertreibt die Satire?“ und gibt selbst zur Antwort: „Die Satire muß übertreiben und ist ihrem tiefsten Wesen nach ungerecht. Sie bläst die Wahrheit auf, damit sie deutlicher wird“. Und auf die Frage, was die Satire denn dürfe, erklärt er: „Alles.“ Doch darf sie wirklich alles?

Ob Zensur, Verbote und Absetzungen im (Medien-) Kabarett von BRD und DDR oder Hausdurchsuchungen und Beschlagnahmungen bei Pardon und Titanic: Wenn es um Politik, Moral oder Religion geht, steht die Justiz gerne mal bei der Satire vor der Tür und fragt nach, ob und was diese sich denn dabei gedacht habe. In der Ausstellung skizziert das Deutsche Kabarettarchiv die schwierige Beziehung zwischen der auf Eindeutigkeit und Einhaltung klarer Regeln bedachten, mit verbundenen Augen agierenden Göttin Justitia und der auf Kunst- und Meinungsfreiheit bestehenden, ihre subjektive Weltsicht verteidigenden Satire im 20. Jahrhundert.

Der Bogen spannt sich von einer der umstrittensten Gesetzesvorlagen des Kaiserreichs, der sogenannten ‚Lex Heinze’, über die Internierung Werner Fincks bis hin zu den Plakaten Klaus Staecks, die sich immer mal wieder vor Gericht wiederfinden. Staeck, einer der bedeutendsten politischen Grafiker und satirischen Plakatkünstler Deutschlands, legte sich in der Vergangenheit immer wieder mit Wirtschaftsbossen und Parteien an – und gewann rund vierzig juristische Auseinandersetzungen: „Ich habe jedes Mal die Grenzen der Meinungsfreiheit ausgelotet“, sagt er. Sein Hauptwerk umfasst rund 300 Plakate. Primär sind diese Arbeiten Fotomontagen, die mit eigenen ironischen Sprüchen versehen sind.

Ergänzend finden sich in der Ausstellung sieben Weltverbrechen, ein Schwiegermutter-Mörder und die berühmten Satiren Kurt Tucholskys. Dass Satire immer wieder zwischen die Mühlen der Justiz gerät, verdeutlicht unter anderem die „Staatsaffäre Böhmermann“, bei der ein Schmähgedicht über den türkischen Staatspräsidenten 2016 zur Einleitung eines Ermittlungs- und Strafverfahrens gegen den Satiriker Jan Böhmermann führte – schließlich aber eingestellt wurde.

 

Die Ausstellungseröffnung ist am Freitag, den 21. Juni, um 18:00 Uhr.

 

Ansprechpartnerin:

Dr. Verena Paul
Email vp@sdsaar.de