Umbrüche. Rudolf Holtappel

Eine Ausstellung der Stiftung Situation Kunst vom 15. Februar bis 10. Juni 2020 in der Politischen Akademie

2018 ging mit der Schließung der letzten Zeche im Ruhrgebiet eine Epoche zu Ende, die mit der rasanten Industrialisierung im 19. Jahrhundert ihren Anfang genommen hatte. Was bedeutet das für die Region und für die dort lebenden Menschen? Was wird zurückgelassen und welche neuen Perspektiven bieten sich? Die Fragen und Herausforderungen reichen über das Ruhrgebiet hinaus und stellen sich auch hier im Saarland, das ebenfalls Ein- und Umbrüche erleben musste.

Als „teilnehmender Beobachter“ macht Rudolf Holtappel (1923-2013) in seinen Fotografien aus dem Ruhrgebiet die Geschichte eines der Zentren der Montanindustrie nachvollziehbar. Mit Offenheit und Neugierde erkundet er mit der Linse seiner Kamera jene pulsierende, vielfältige Lebenswelt: das städtebauliche Durcheinander, das Ineinandergleiten von Arbeits- und Alltagsleben – stets im Fokus seines Interesses: die Menschen der Region. Selbst in den menschenleeren Aufnahmen ist ihre Anwesenheit spürbar, etwa in Gestalt der zum Teil bizarren Architekturen der Wohnsiedlungen. Rudolf Holtappel deckt das Widersprüchliche auf, sodass seine Arbeiten sowohl das bescheidene „kleine“ Glück des entspannten Gesprächs über den Gartenzaun oder des ausgelassenen Kinderspiels zum Gegenstand haben als auch politische Konflikte sowie Trostlosigkeit und Melancholie.

Zwischen Dokumentation, Reportage, pointierten Momentaufnahmen und poetischen Stimmungsbildern changierend, bestechen Rudolf Holtappels Werke einerseits durch ein neugieriges Erkunden von Räumen sowie ihre stets respektvolle Menschenzugewandtheit. Andererseits liegt in ihrer klaren, nuancierten Komposition und dem unerschütterlichen Gespür für den besonderen Augenblick die Qualität dieser Fotografien, die zuweilen an Arbeiten so wegweisender Fotografen wie Henri Cartier-Bresson oder André Kertész denken lassen. In intimen, kleinformatigen Schwarzweißaufnahmen hat Rudolf Holtappel – in „seinem“ Revier – das Lebensgefühl festgehalten und dabei Werke hervorgebracht, die wie „Die letzte Schicht“ von trauriger, aber atemberaubender Schönheit sind.

 

Die Ausstellungseröffnung ist am Freitag, den 14. Februar 2020, um 18:00 Uhr.

 

Ansprechpartnerin:

Dr. Verena Paul
Email vp@sdsaar.de