(Preis 10 000 Euro)


Leiterin: Ingrid Ulm; Tel: 0681 41166 
www.montessori-russhuette.de

Laudatio der Jury

Prof. Dr. Ulrich Herrmann
ehemaliger Professor für Pädagogik und Leiter des Seminars für Pädagogik an der Universität Ulm, Tübingen


Wer zur Maria-Montessori-Grundschule nach Saarbrücken-Russhütte kommt, vermutet in dieser Umgebung kein pädagogisches Juwel – eine Schule, die eine Chance als Versuchsschule bekam und diese Chance mit außerordentlichem Engagement der Lehrerinnen und Erzieherinnen, der freien Mitarbeiter und nicht zuletzt der Eltern überaus erfolgreich genutzt hat. Dafür gibt es ein unübersehbares äußeres Indiz: Diese Schule war vor fünf Jahren wegen geringer Anmeldezahlen von Schließung bedroht – heute kann sie nur die Hälfte der Kinder, die deren Eltern hier gern einschulen möchten, aufnehmen.

Schülerinnen und Schüler der Klassen 1 – 4 lernen in „jahrgangsgemischten Familienklassen“, altersgemischt, also voneinander, und sie werden altersgemischt unterrichtet, also miteinander, und dieses „Miteinander“ prägt das Klima des ganzen Schullebens bis hin zum gemeinsamen Mittagessen und den freiwilligen Aktivitäten am Nachmittag. Die großen Räume und Flure des alten Schulgebäudes – mit dem die Kinder sorgsam umzugehen gelernt haben und das eine auffrischende Renovierung verdiente – und die große Sporthalle begünstigen das alltägliche Leben und Lernen, das Spielen und Feiern. An dieser Schule herrscht Ruhe, weil die Kinder Bewegungsraum haben. Ansonsten bemängeln die Kinder das unwirtliche Schulgelände und beklagen vor allem, dass man ihnen den Wackelbaum weggenommen hat.

Diese Schule verkündet in ihrem Leitbild: „Wir respektieren die Persönlichkeit des Kindes und begegnen ihr mit Achtung.“ „Unser Ziel ist es, Kinder zu starken Persönlichkeiten zu erziehen, die sozial kompetent sind, ihre Kreativität entfalten und Eigenverantwortung für ihren Lernprozess übernehmen.“ „Wir wollen, dass die Kinder mit Lust lernen und neugierig bleiben.“ Diese Schule verkündet ihr Leitbild nicht nur, sie verwirklicht es. Täglich.

Diese Schule – die Lehrerinnen und Erzieherinnen, die Freizeitbetreuerinnen und die Eltern – hat sich auf den Weg einer überaus erfolgreichen Schulentwicklung gemacht: Die Kinder arbeiten konzentriert und selbstsicher, sie sind ruhig und angstfrei, hilfsbereit und freundlich. Lernen heißt in dieser Schule: selbstbestimmt und kooperativ, interessegeleitet und ergebnisorientiert arbeiten und das Lernen lernen. Den Kindern bleibt sinnloser Leistungsdruck erspart, daher können sie ihre Potenziale und Stärken ungestört entwickeln und entfalten.

Die Atmosphäre der Lernumgebung und des Umgangs mit den Erwachsenen bietet ihnen ein zweites Zuhause. Was könnte Schöneres von einer Schule gesagt werden!

(Preis 6 000 Euro)

Leiter: Arno Heinz; Tel: 06821 98240  
www.gesamtschule-neunkirchen.de
 

Laudatio der Jury

Prof. Dr. Alfred Sander
Universität des Saarlandes, Saarbrücken
ehemaliger Inhaber des Lehrstuhls Erziehungswissenschaft unter besonderer Berücksichtigung der Sonderpädagogik, Mitglied des Beirates des Vereins Miteinander leben lernen


Die Gesamtschule Neunkirchen ist eine echte Ganztagsschule, d.h. alle Schüler und Schülerinnen nehmen am Ganztagsschulleben teil, und sie tun es offensichtlich gern und mit Gewinn. Wir sahen, dass die Schule für die Kinder und Jugendlichen zu einem wichtigen Lebensmittelpunkt geworden ist, der sie in ihrer Persönlichkeitsentwicklung und im schulischen Lernen wesentlich fördert. Uns beeindruckten die freundliche soziale Atmosphäre, die in dieser großen Schule herrscht, und der vertrauensvolle Umgang zwischen den rund 800 Schülern und ihren Lehrerinnen und Lehrern. Auch die Elternvertretung, den Förderverein und die Schulsozialarbeit haben wir als wichtige aktive Mitgestalter der Schule kennen gelernt. Alle Beteiligten verstehen die Entwicklung des Gemeinwesens Schule als ihre gemeinsame Aufgabe.

Im Unterricht sahen wir viele Formen intensiven selbstständigen Lernens in Gruppen, mit Partnern oder einzeln. Bei Bedarf findet individuelle Förderung im „Methodentraining“ statt. Die Verschiedenheit der Schüler wird voll akzeptiert. Die Schule geht kreativ mit der Vielfalt der Schüler um. Kinder und Jugendliche mit Behinderung werden nicht fortgeschickt, sondern pädagogisch integriert; Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund werden bei Bedarf besonders unterstützt. Die Schule darf die Auszeichnung „Schule ohne Rassismus“ führen.

Schulleitung, Lehrerkollegium und Elternvertretung sind mit Recht stolz darauf, dass alljährlich deutlich mehr Schülerinnen und Schüler  weiterführende Schulabschlüsse erreichen, als sechs bzw. neun Jahre vorher beim Übergang aus der Grundschule prognostiziert worden war. Vor dem Hintergrund schwieriger Rahmenbedingungen, unter denen die Gesamtschule Neunkirchen arbeiten muss, ist auch dies eine außerordentliche Leistung.  Die Schule erfüllt die Qualitätskriterien der Preisausschreibung in hohem Maß.

(Preis 2 000 Euro = halbes Preisgeld des 3. Preises)

 

Leiter: Gerd Wagner
Tel: 06897 952095-0  


Laudatio der Jury

Prof. em. Dr. Helmut Fend
Pädagogisches Institut der Universität Zürich, Schweiz
ehemaliger Ordinarius für Pädagogische Psychologie


Der Realschule Am Vopelius Park wird der dritte Preis in Anerkennung ihrer herausragenden pädagogischen Leistungen verliehen. Sie hat einen bemerkenswerten Aufbruch aus einer schwierigen, durch die Rahmenbedingungen gegebenen Schulsituation dokumentiert. Ihr war die Aufgabe gestellt, im Zuge der Einführung der Erweiterten Realschule eine Schülerschaft mit dem Bildungsgang zum Hauptschulabschluss zu integrieren und dabei einem anspruchsvollen Umfeld pädagogisch gerecht zu werden. Ihr war es aufgetragen, in einer durch wirtschaftliche Entwicklungen belasteten Region, mit allen ihren sozialen Folgen pädagogisch zu dienen und die Kinder und Jugendlichen auf ihrem Weg in eine Zukunft so zu begleiten, dass deren Potential optimal entfaltet werden konnte.

Das Kollegium der Schule hat im Verbund mit einer sehr engagierten Leitung und dem Einbezug vieler außerschulischer Akteure diese Aufgabe anfangs nicht konfliktfrei, doch dann zunehmend mit pädagogischem Elan und Kompetenz in Angriff genommen. In einer bemerkenswerten Synthese von Anregung, Konsequenz und Empathie ist es  ihr gelungen, eine Umwelt zu schaffen, in der sich Kinder und Jugendliche gesehen, geschätzt, geführt und gefördert fühlen. Sie führt die Jugendlichen in ihre zukünftigen Aufgabenfelder in Beruf und Familie und schafft eine hohe Durchlässigkeit auf dem Weg in verschiedene Bildungsgänge unter Einschluss der Hochschulreife, wobei sie den Kindern Zeit gewährt. Dabei hat sie durch ein vielfältiges, den Unterricht ergänzendes Angebot die gesamte Persönlichkeitsentwicklung im Auge und ist bemüht, Kinder auf Umwegen immer wieder in ernsthafte Lernprozesse einzubinden. Die Bedeutung von Lernen und das Interesse der Schule an den Kindern wird ihnen durch eine große Aufmerksamkeit für die geleistete Arbeit zu Hause und in der Arbeit an einem störungsfreien Unterricht immer wieder vor Augen gestellt. Die Schule nimmt so ihre Verantwortung für jedes Kind wahr und ist sich bewusst, dass die Bewahrung der Qualität einer Schule ein permanentes Lernen der Lehrerschaft bedeutet.

(Preis 2 000 Euro = halbes Preisgeld des 3. Preises)

 

Leiterin: Andrea Thalhammer
Tel: 06861 6378  
www.gs-merzig.de


Laudatio der Jury

Gerd Wagner
ehemaliger Leiter der Gesamtschule Bellevue Saarbrücken und Vorsitzender der Schulleiter an Gesamtschulen des Saarlandes, Illingen


Die Grundschule St. Josef in Merzig hat sich in vorbildlicher Weise der Aufgabe als Sozialisations- und Bildungsort im Stadtteil gestellt. Sie nimmt ihre Schülerinnen und Schüler in ihren ganzen Persönlichkeit wahr, ist lebendiger Lernort und pflegt die Gemeinschaft durch Integration von Behinderten und nicht Behinderten, Menschen deutscher und nicht deutscher Herkunft und unterschiedlicher sozialer Schichten. Dabei trägt der Lernort Schule als gestalteter Lebensraum zu einem Klima der Wertschätzung und Rücksichtnahme bei. Was Schülerinnen und Schüler erarbeiten und gestalten, ist sichtbarer Teil der Schulkultur. Die Aktivitäten der Schule sind Bestandteil des städtischen kulturellen Lebens und der überregionalen Zusammenarbeit.

Die Schule verdankt ihren hohen Standard den gemeinsamen Leistungen des Kollegiums, der Elternschaft und der Schulleitung. Durch das Einbeziehen auch außerschulischer Ressourcen wird ein Optimum an Ausstattung und Lernqualität realisiert. Das Ergebnis ist eine leistungsfähige, lebendige und fröhliche Schule. Hier fühlen sich Schülerinnen und Schüler mit ihren kleinen und großen Sorgen gut aufgehoben und betreut. Wie erwartet, haben sich auch die Schülerleistungen in Folge des Schulentwicklungsprozesses deutlich verbessert. Wen wundert es dann noch, dass auch die Eltern den Schulentwicklungsprozess begeistert mit tragen.

Es wäre unverzeihlich, wenn der angegliederte Hort und seine in die Schule integrierte sozialpädagogische Kompetenz aktuell durch andere Betreuungsmodelle in Frage gestellt würden. Notwendig wäre auch die Unterstützung der Schule durch eine Verwaltungskraft.

Als Ausbildungsschule ist diese Grundschule schon Vorbild für angehende Lehrerinnen und Lehrer. Als Trägerin des Saarländischen Schulpreises soll sie Leuchtturm sein für viele Grundschulen im Lande, die auch eine bessere Schule werden wollen.

(Preis 2 000 Euro)

 

Leiter: Günter Hoff

Tel: 06861 2668  

 

Laudatio der Jury

Dr. Hans Werner Bedersdorfer
Universität des Saarlandes, Saarbrücken
Leitender Akademischer Direktor, Geschäftsführer des Zentrums für Lehrerbildung


Die Jury war bei ihrem Besuch tief beeindruckt davon, mit wie viel Freude die Schülerinnen und Schüler gelernt und gearbeitet haben, wie sie sich angestrengt haben, um gute Ergebnisse zu erzielen. Aber auch wie freundlich und liebevoll alle miteinander umgegangen sind und sich gegenseitig geholfen haben. Wie gelingt der Schule das?

Alle Beteiligten teilen eine gemeinsame Grundüberzeugung: Wir grenzen kein Kind aus und fördern jedes nach seinen Fähigkeiten und Möglichkeiten. Und die sind sehr, sehr unterschiedlich.

Deshalb erarbeiten sich die Lehrerinnen und Lehrer durch Eingangsdiagnostik und Verlaufsdiagnostik eine gute Kenntnis jeden einzelnen Schülers und entwickeln auf diesem Hintergrund individuelle Förderpläne (sog. Lernbegleiter).

  • Die Förderung erfolgt einerseits in oft handlungsorientiertem und immer differenzierendem Unterricht in sehr heterogenen Klassen. 
  • Daneben werden die Schülerinnen und Schüler in nach Leistungsgesichtspunkten homogener zusammengesetzten Kursen unterrichtet, z.B. im Lesen, Schreiben, Rechnen, Kunst, Werken und Welterschließung.
  • Die individuellste Form ist die der Einzelförderung
  • Unterricht in der Klasse, in Kursen und Einzelförderung werden in Zusammenarbeit aller Beteiligten abgestimmt.


Die Schule arbeitet eng mit anderen Einrichtungen zusammen: mit der Lebenshilfe, mit logopädischen, physiotherapeutischen und ergotherapeutischen Praxen. Dadurch werden

  •  Maßnahmen abgesprochen und aufeinander bezogen
  •  die Familien entlastet
  •  die Beratungsangebote für die Eltern gebündelt und
  •  es können Perspektiven entwickelt werden, auch über die Schulpflicht des jeweiligen Kindes hinaus.

Darüber hinaus erschließt die Schule weitere Lernorte. Sie beteiligt sich aktiv am Dorfleben und am kulturellen Leben der Stadt. Sie kooperiert mit benachbarten Schulen sowie mit einem Sportverein. Alle diese Projekte werden gemeinsam mit den Eltern geplant und durchgeführt.

So sehen sich die Eltern keineswegs als Handlanger, sondern als Erziehungspartner. Sie sehen sich nicht nur gut informiert, sondern beteiligt. Sie treffen sich auch ohne Lehrer und bringen eigene Initiativen ein. Sie sehen ihre Kinder nach deren Möglichkeiten umfassend und gut gefördert.

Die Schule für geistige Entwicklung Merchingen ist eine Schule, die alle Beteiligten als ihre gemeinsame Sache verstehen. Die Jury hat sich entschlossen, ihr im Rahmen des Saarländischen Schulpreises 2007/08 einen besonderen Preis zu verleihen.

(Anerkennung 500 Euro)


Leiterin: Gaby Schwartz

Tel: 06826 9329-0  
www.gesbex.de


Laudatio der Jury

Ingrid Kaiser
ehemalige pädagogische Leiterin der Helene-Lange-Schule in Wiesbaden, Schulberaterin, Frankfurt


Neben den nach den offiziellen Qualitätskriterien prämierten Schulen gibt es unter den Bewerberschulen eine Reihe von bemerkenswerten Initiativen und Arbeitsformen, die erkennen lassen, dass auch dort pädagogisch wertvoll und originell zum Nutzen der Schüler gearbeitet wird. Es sind Schulen, die eine anspruchsvolle und ideenreiche Arbeit zur Förderung von Kindern und Jugendlichen leisten, breite und vielseitige Angebote für kognitives und künstlerisch-kreatives Lernen zur Verfügung stellen und intensive Entwicklungsschritte als Vorbereitung der Schüler für die Welt von morgen versuchen.
Der renommierte Grimme-Preis, der wichtigste Fernsehpreis in Deutschland, kennt neben den eigentlichen Preisen die ehrende Anerkennung, mit der herausragende Leistungen neben den Preiskriterien hervorgehoben werden. Ich möchte auch beim Saarländischen Schulpreis die besondere Leistung einer Schule mit einer solchen „ehrenden Anerkennung“ würdigen.

Diese Schule, die sich mitten im Prozess einer kontrollierten Qualitätsentwicklung befindet, zeigt als Freiwillige Ganztagsschule ein hohes Engagement bei der Förderung von Kreativität und Eigenverantwortung der Schülerinnen und Schüler und bei umfangreichen Lernangeboten in sozialen, politischen und ökologischen Bereichen. Institutionell setzt sie sich auf bemerkenswerte Weise mit den Leistungsunterschieden der Kinder und Jugendlichen auseinander, als sie verschiedene Lernorte und Lernschwerpunkte anbietet. Das interkulturelle Lernen durch Schüleraustausch mit Frankreich und Polen spielt eine große Rolle, ebenso die Zusammenarbeit mit Wirtschaft und Verbänden. Das Engagement für die dritte Welt ist Teil der Tagesarbeit. Die Schülerinnen und Schüler werden kontinuierlich über alle Jahrgänge in altersgerechte Dienste und Ämter eingebunden. Die Schule nimmt damit ihre pädagogische Aufgabe der Persönlichkeitsbildung im und für das Gemeinwesen ernst.

Die ehrende Anerkennung richtet sich besonders an die engagierte Schulleitung und ein diese stützendes Kollegium, das ein beeindruckendes, pädagogisch produktives Klima geschaffen hat und Schüler und Eltern gleichermaßen in die Schulentwicklung einzubeziehen versteht. Lehrerinnen und Lehrer wirken als Fachleute, Berater und Lernbegleiter ihrer Schüler. 

Diese Schule ist auf einem guten und bisher gelungenen Weg, die Balance zwischen Konsolidierung im Fachlichen und kreativer, offener Gestaltung des schulischen Lebens zu realisieren. Es besteht angesichts der außerordentlich effektiven, sensiblen und kooperativen Führung der Schule die sichere Erwartung, dass ihr dies weiterhin gelingen wird.