(Preis 10 000 Euro)

 

Leiterin: Christel Dewald
www.grundschule-am-ordensgut.de

E-Mail: grundschule-am-ordensgut(at)web.de
Telefon: 0681 581882 und 581877

  

Laudatio der Jury

Prof. Dr. Alfred Sander
Universität des Saarlandes, Saarbrücken
ehemaliger Inhaber des Lehrstuhls Erziehungswissenschaft unter besonderer Berücksichtigung der Sonderpädagogik, Mitglied des Beirates des Vereins Miteinander leben lernen

Telefon: 0681 818966
E-Mail: a.sander(at)mx.uni-saarland.de, prof.dr.alfred.sander(at)web.de

Die Grundschule Saarbrüchen Am Ordensgut ist eine Schule in einem sehr durchwachsenen Einzugsbereich, die seit den 90er Jahren Schritt um Schritt innere Schulreformen mit großen Erfolgen verwirklicht. Heute gehört es in dieser Schule beispielsweise zu den Selbstverständlichkeiten, dass der Unterrichtsvormittag mit einem halbstündigen offenen Beginn anfängt, den die Kinder individuell arbeitend nutzen, und dass der weitere Vormittag vom Zwang des Themenwechsels nach je 45 Minuten befreit ist. Statt Klingelzeichen dominieren hier Arbeitszusammenhänge; und wenn schon Pausenzeichen, dann bitte aus „Peter und der Wolf“.

In den Klassen und auch in den zahlreichen jahrgangsübergreifenden Projektgruppen steht neben dem gemeinsamen Lernen die individuelle Bildung und Förderung im Vordergrund. Ob es sich um besonders schnell lernende, hochbegabte Kinder handelt oder um Kinder mit anderer Muttersprache als Deutsch oder um lernschwache Kinder -  der offene, schülerzentrierte Unterricht berücksichtigt sie alle mit ihren unterschiedlichen Fähigkeiten und Bedürfnissen. An dieser Stelle verdient das große Engagement der Schule für die Integration behinderter Kinder besondere Erwähnung. Die Schule weist einen überdurchschnittlich hohen Anteil von Kindern mit Sonderpädagogischem Förderbedarf auf und zählt deswegen auch sonderpädagogische Lehrpersonen zu ihrem Kollegium. Eine Reihe von behinderten Kindern kommt  aus andern Grundschulbezirken hierher, weil sich herumgesprochen hat, dass hier sehr gute unterrichtliche und atmosphärische Bedingungen für Integration bestehen.

Das Beispiel dieser Schule zeigt uns: Wo gemeinsamer Unterricht für nichtbehinderte und behinderte Kinder gelingt, ist der Boden auch für andere schulpädagogische Reformen bereit; da sind optimale Fortschritte in Leistung und sozialer Entwicklung aller Kinder gesichert. Das kommt spürbar der ganzen Schulgemeinschaft zugute. Schulleitung und Kollegium, Elternvertretung und die 200 Jungen und Mädchen gestalten bzw. erleben ein positives, angstfreies, vertrauensvolles Schulklima, in dem sehr gute Schulleistungen gedeihen. Die Schule sieht sich aber noch lange nicht am Ende ihres Strebens, sondern versteht sich weiterhin als Schule in Entwicklung. Dazu holt sie sich Anregungen aus anderen preisgekrönten Schulen, nicht nur mittels Filmen wie „Treibhäuser der Zukunft“, sondern auch durch kollegiale Hospitationen vor Ort in Dortmund oder Wiesbaden. Mehr Bewegungsfreiheit für die Schulentwicklung wurde auch dadurch erreicht, dass diese Schule als eine von nur zwei saarländischen Grundschulen in den Modellversuch „Selbstständige Schule“ des Bildungsministeriums aufgenommen wurde.

Und herausragend: An der Grundschule Saarbrüchen Am Ordensgut lernen alle Erst- und Zweitklässler Geige oder Cello!

 

(Preis 6000 Euro)

 

Leiter: Rolf Mohr
www.ers-freisen.de

E-Mail: ers.freisen(at)t-online.de
Telefon: 06855 7992

 
Laudatio der Jury

Gerd Wagner
ehemaliger Leiter der Gesamtschule Bellevue Saarbrücken und Vorsitzender der Schulleiter an Gesamtschulen des Saarlandes, Illingen

Telefon: 06825 3386
E-Mail: g.wagner(at)schlau.com

 

Die Forschung weiß schon lange, dass produktives und nachhaltiges Lernen in der Schule dann am besten gelingt, wenn Schülerinnen und Schüler sich aktiv und mit einem erheblichen Maß an Eigenverantwortung mit dem Lernangebot ihrer Schule auseinandersetzen. Dabei kommt es nicht so sehr darauf an, wie viel „Stoff durchgenommen“ wird, sondern wie intensiv Schülerinnen und Schüler an Materialien arbeiten, wie zielstrebig sie die Aufgaben der individuellen Lernpläne bearbeiten und wie selbstverständlich und souverän sie Ergebnisse ihrer Arbeit präsentieren und vortragen können.

Dass dies nicht graue Theorie, sondern lebendiger Schulalltag sein kann, konnte die Jury beim Besuch der Schule erleben. Trotz durchschnittlicher bis guter Schülerleistungen kam die Gesamtkonferenz vor zwei Jahren zum Schluss, besser zu werden und die Schule neu zu organisieren. Nachdem die Schulleitung und einzelne Lehrergruppen sich in deutschen Reformschulen umgeschaut hatten, erarbeitete sich die Schule ein neues Konzept, das bislang in den Klassenstufen 5 und 6 umgesetzt ist und mit jedem neuen Jahrgang nachwachsen soll.

Im Mittelpunkt des Lernens steht in dieser Schule nun das einzelne Kind. An ihm orientiert sich die auf optimale Entfaltung der individuellen Möglichkeiten ausgerichtete Förderung, auch unter Anerkennung der  jeweiligen Grenzen, weil Lernaufgaben und  – materialien mit unterschiedlichem Schwierigkeitsgrad angeboten werden und je eigene Lernwege zugelassen werden. So erfahren alle Kinder – auch solche mit Behinderungen - trotz unterschiedlicher Fähigkeiten in gleicher Weise Wertschätzung. In dieser Schule hat darum auch jedes Kind seinen Platz, kann trotz unterschiedlicher Begabungen und Fähigkeiten seinen optimalen Lernweg finden, mit anderen gemeinsam arbeiten, anderen helfen oder sich helfen lassen und Verantwortung für sich und andere übernehmen. Es herrscht ein offenes und freundliches Klima, in dem Lernen offensichtlich viel Freude macht.

Um Unterricht so offen zu organisieren und zu gestalten, mussten tradierte Lehrerrollen über Bord geworfen werden. Lehrerinnen und Lehrer kennen ihre Schülerinnen und Schüler sehr genau. Sie stellen ihnen Aufgaben, die ihre natürliche Lernfreude  nutzen, ihre Stärken und Möglichkeiten immer wieder herausfordern und sie an ihre Grenzen führen. Dies geschieht über das selbst entwickelte Pensenbuch, aber auch durch lebensnahe Unterrichtsprojekte und Vorhaben.

Um die Lernprozesse der Schüler ganzheitlich zu gestalten, arbeiten die Lehrerinnen und Lehrer in Jahrgangsteams zusammen. Man konzentriert möglichst viel Unterricht im eigenen Jahrgang – auch fachfremd. Tutorenpaare betreuen je eine Klasse, Jahrgangsteams planen Unterricht, erstellen fachgebundenes oder fächerübergreifendes Material. Die Klassenräume bleiben meist offen. Es gibt Teamteaching und gegenseitige Hospitation. Die Vereinzelung im Lehrberuf ist durch Lehrerkooperation ersetzt. Dem Kollegium hat dieser Prozess offensichtlich gut getan: Das Kollegium wirkt hoch motiviert, ist mit Freude bei der Arbeit und so eine echte Alternative zum ansonsten erlebbaren Schulalltag.

Hierzu tragen aber auch hoch engagierte Eltern bei, die oft weite Wege zur Schule in Kauf nehmen, um die Schule zu unterstützen, um sich über die Lernentwicklung ihrer Kinder auszutauschen oder teil zu haben an der allseits sichtbaren Schulkultur. Denn ihre Kinder produzieren nicht für den Papierkorb, sondern ihre Lernergebnisse schmücken die Schule, gestalten Feste und Feiern, sind ein Stück Kultur in der Gemeinde.

Der Erfolg einer Schule steht und fällt aber auch mit einer reformfreudigen Schulleitung. Gradlinige Konzeptorientierung, der Wille zu Veränderung, freundliche Wertschätzung für Erwachsene und Heranwachsende und die Bereitschaft, alle mitzunehmen und niemanden zurück zu lassen, haben die Schule umgebaut, so dass sie zu Recht  ausgezeichnet wird.

Anerkennung (2000 Euro)

 

Leiterin: Monika Greschuchna
www.gesnohfelden.de

E-Mail: gesnohfelden(at)t-online.de
Telefon: 06852 9025-0

  

Laudatio der Jury

Ingrid Kaiser
ehemalige pädagogische Leiterin der Helene-Lange-Schule in Wiesbaden, Schulberaterin, Frankfurt

Telefon: 069 705683
E-Mail: kaiser.zw(at)t-online.de

Die Gesamtschule Nohfelden-Türkismühle zeigt von Klasse 5 bis 13, wie der Weg aussieht, um ein großes pädagogisches Unternehmen auf Qualitätskurs zu bringen. Diese Schule hat eine starke Ausstrahlung in die Region, zeigt sich als wichtiger Sozialisationsort, so dass eine ständig wachsende Schülerzahl aus einem riesigen Einzugsbereich lange Fahrtwege in Kauf nimmt, um diese Gesamtschule besuchen zu können. Die demokratisch geführte Schule, in der Schulleitung, Lehrerinnen und Lehrer, Schülerinnen und Schüler und auch Eltern eine Gemeinschaft bilden, engagiert miteinander arbeiten und sich verantwortlich fühlen, hat sich zur Aufgabe gemacht, dass kein Jugendlicher die Schule ohne Abschluss verlässt. Das ist ihr schon jetzt gelungen und die Anzahl der Schüler mit mittlerem Bildungsabschluss und der Befähigung zur Oberstufe steigt von Jahr zu Jahr. Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf und besonders Begabte erfahren individuelle Begleitung, besondere Herausforderungen, ein Lernen, das am Interesse der Schüler ansetzt und mit Erleben, Erfahrungen und Hinführung zur Selbstständigkeit verbunden ist. Dazu hat diese Schule Instrumente individueller Lernförderung entwickelt und ständig verbessert.

Als kultureller Mittelpunkt zeigt die Schule ein reiches Schulleben mit Veranstaltungen, Präsentationen der Arbeitsergebnisse und gemeinsamen Festen. Sie hat eine intensive Anbindung an die Gemeinde und zahlreiche Kooperationen mit außerschulischen Partnern, mit Institutionen und Vereinen, ist ein Haus für Aktivitäten der Bürger und Ausbildungsschule für Studienreferendare. Aus dieser Vernetzung ergeben sich Wertschätzung und Anerkennung. Die Schule zeigt, wie Leistungsfreude, demokratische, freundliche Umgangsformen, Respekt und Anerkennung auf der einen Seite und professioneller Teamgeist, klare pädagogische Visionen bis hin zu öffentlichem Engagement und Kampfeswille auf der anderen Seite eine Verbesserung ihrer pädagogischen Qualität bewirken. Lehrer, Schüler und Eltern fühlen sich als Lerngemeinschaft in dieser Schule wohl, fordern sich gegenseitig zu Mitwirkung und sozialem Engagement, zu Unterstützung und Hilfsbereitschaft auf und arbeiten kontinuierlich in unterschiedlichen Gremien an der Verbesserung ihrer Schule. Diese vermittelt nicht nur verlässliches Wissen mit sichtbar steigendem Erfolg, sondern bereitet die Schülerinnen und Schüler mit intensiver Lernförderung, vielfältigen Angeboten, Berufs- und Studienorientierung, mit Praktika und Schüleraustausch und sozialen Patenschaften auf ein Leben und die Welt von morgen vor.

Anerkennung (2000 Euro)

 

Leiterin: Angelika Bastuck
www.ers-klarenthal.de

E-Mail: schulleitung(at)ers-klarenthal.de
Telefon: 06898 37558

 

Laudatio der Jury

Dr. Ulrike-Marie Krause
Universität des Saarlandes, Saarbrücken
wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Erziehungswissenschaft, Arbeitsbereich Persönlichkeitsentwicklung und Erziehung

Telefon: 0171 8151970
E-Mail: u.krause(at)mx.uni-saarland.de

Von der Erweiterten Realschule Saarbrücken-Klarenthal - sie hat sich inzwischen umbenannt in Katharine-Weißgerber-Schule - sind Schüler, Eltern und Lehrer gleichermaßen begeistert. Sie identifizieren sich mit ihrer Schule und schwärmen von der positiven, durch gegenseitige Wertschätzung geprägten Atmosphäre. Diese Schule hat die Jury beeindruckt durch eine sehr engagierte, teamorientierte Schulleitung und Lehrerschaft, durch Eltern, die aktiv in der Schule mitarbeiten und durch Schülerinnen und Schüler, die hier gern zur Schule gehen.

Eine wichtige Basis der positiven Lehrer-Schüler-Beziehung ist offenbar die umfangreiche und vielfältige Projektarbeit, deren Ergebnisse in beiden Schulgebäuden ausgestellt sind. Für ihre Projekte hat die Schule viele Preise erhalten, allein in diesem Schuljahr sind es sieben landes- und bundesweite Preise und Anerkennungen in Bereichen wie Berufsorientierung, Ökologie und vernetztes Lernen. Die Projekte finden auch außerhalb des Klassenzimmers statt, beispielsweise im Schulgarten; zugleich wird die Projektarbeit systematisch mit dem Unterricht verbunden. In den Projekten zeigen nach den Berichten der Lehrerinnen und Lehrer auch schwächere Schüler oft sehr gute Leistungen.

Den unterschiedlichen Lernvoraussetzungen der Schülerinnen und Schüler wird durch verschiedene Förderungsmaßnahmen Rechnung getragen. Kinder mit speziellen Leistungsschwächen erhalten Förderstunden, Kinder mit Migrationshintergrund zusätzliche Sprachförderung. Schülerinnen und Schüler, die das Abitur anstreben, können ab Klassenstufe 10 (und ab dem nächsten Schuljahr schon ab Stufe 9) einen A-Kurs besuchen. Die Schule hat Integrationsschüler aufgenommen, und sie kooperiert mit traditionellen Institutionen für behinderte Menschen.

Die Schule arbeitet mit zahlreichen weiteren außerschulischen Partnern zusammen, unter anderem mit Firmen, Vereinen, Sucht- und Gewaltpräventionsberatern und Künstlern. Während unserer Schulbesuche waren beispielsweise Künstler aus Frankreich zu Gast, die gemeinsam mit den Schülern ein Kalligraphie-Projekt durchführten.

Seit Jahren entwickelt sich die Schule gezielt weiter, insbesondere im Bereich der ökologischen Bildung, im Bereich Prävention und Persönlichkeitsentwicklung und in der Berufsorientierung. Hier wurde zum Beispiel der „berufsorientierte Donnerstag“ ins Leben gerufen, ein Langzeitpraktikum für die Abschlussklassen, das inzwischen auch an mehreren anderen saarländischen Schulen eingeführt wurde.

Bei der erfolgreichen Schulentwicklung spielt auch das gute Verhältnis zur engagierten Elternvertretung eine wichtige Rolle. Das Schulmotto lautet „Miteinander Schule bauen“; diesem Leitsatz wird die Katharine-Weißgerber-Schule auf eindrucksvolle Weise gerecht.