Workshop ABGESAGT: 150 Jahre deutsche Nationalstaatsgründung. Wie demokratisch war das Kaiserreich?

Mit der Gründung des Deutschen Kaiserreichs 1871 beginnt eine Phase, in sich Deutschland rasant verändert. Im neuen Nationalstaat wurden die föderalen Strukturen teilweise beibehalten, das allgemeine Männerwahlrecht eingeführt, es entstand ein politischer Massenmarkt und eine plurale Parteienlandschaft. Modernisierungsschübe und die damit zusammenhängenden Konflikte, ideologisch aufgeladen und ausgetragen in modernen Medien involvierten immer größere Teile der Bevölkerung. Geprägt war diese Modernisierung aber auch von Revolutionsängsten, kolonialem Rassismus und aggressivem Nationalismus, die auf „interne“ Feinde übertragen werden konnten. Zunächst Katholiken im sogenannten Kulturkampf, dann aber vor allem sozialdemokratische Arbeiter, Freie Gewerkschaften sowie Migranten und Frauenaktivistinnen wurden als unpatriotisch diffamiert, zur Bedrohung stilisiert und mit autoritären Mittel unterdrückt. Die Veranstaltung nimmt Politik und Gesellschaft im ersten deutschen Nationalstaat in den Blick und behandelt unterschiedliche Themenfelder anhand einer gemeinsamen Fragestellung: Wie demokratisch war das Kaiserreich bzw. welche Auswirkungen hatte seine Gründung auf die (un-)demokratische Entwicklung Deutschlands?

Inhalte:    

  • Politische und soziale Bewegungen
  • Medien und Öffentlichkeit
  • Inklusion und Exklusion
  • Kunst und Erinnerungskultur


09:00 Uhr - 16:30 Uhr

Politische Akademie der SDS

Europaallee 18

66113 Saarbrücken

Elena Steinmetz

Telefon: 0681 - 906 26 - 11

Referentin:

Maike Jung

Maike Jung (M.A.) hat Historisch orientierten Kulturwissenschaften an der Universität des Saarlandes studiert und ist seit 2014 im Bereich der historisch-politischen Bildung für die Stiftung Demokratie Saar tätig. Seit 2019 ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Kultur- und Mediengeschichte an der Universität des Saarlandes. Im Rahmen Ihres Promotionsprojekts befasst sie sich mit Katholizismus und katholischer Frömmigkeit in der Grenzregion im 19. Jahrhundert.

Referent:

Dr. Amerigo Caruso

Dr. Amerigo Caruso ist seit 2019 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Neure Geschichte und Landesgeschichte an der Universität des Saarlandes. Seine Forschungsschwerpunkte umfassen die Geschichte von Nationalismus, politischer Gewalt und sozialen Konflikten in Europa im 19. und 20. Jahrhundert. Nach dem Studium der Politikwissenschaften, Neueren Geschichte und Globalgeschichte an der Universität Mailand promovierte er 2017 an Universität des Saarlandes. Zwischen 2017 und 2019 war er als Postdoc an der Universität Padua im ERC-Forschungsprojekt „The Dark Side of the Belle Époque.“ beschäftigt. Sein neues Buch zum Deutschen Kaiserreich erscheint im Frühjahr 2021 im Campus Verlag.

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