Wolfgang Staudtes „Herrenpartie“ (1964)

Wolfgang Staudte, 1906 in Saarbrücken, Mainzerstraße 11 geboren, stellte bereits Anfang der 1960er Jahre, also lange vor der Wehrmachtsausstellung, in seinem Film „Herrenpartie“ die Partisanen-Erschießungen durch die deutschen Soldaten auf dem Balkan dar. Er drehte „Herrenpartie“ in einem Dorf im ehemaligen Jugoslawien u.a. mit Witwen, die sich selbst darstellten. Frühere deutsche Soldaten, nun Mitglieder in einem Männergesangsverein, sind auf dem Rückweg aus einem Urlaub nach einer Panne in diesem Dorf zufällig gelandet.

Staudte selbst war, wie er – im Unterschied zu vielen Zeitgenossen – hat zugeben können, im nationalsozialistischen Deutschland „aus Feigheit schuldig geworden“. Als Komparse hatte er in dem Propagandafilm „Jud Süß“ mitgewirkt. Nach dem Krieg entwickelte er darum und aus Dankbarkeit, dieses Terror-Regime überlebt zu haben, das Versprechen, in seinen Filmen fortan politische Verantwortung zu übernehmen und sich für Frieden einzusetzen.

In „Herrenpartie“ stellt er den Hass der Partisanenwitwen dem instinktlosen deutschen Urlauberverhalten gegenüber. Und er zeigt Wege auf, wie sich das Verhalten auf beiden Seiten in Richtung Frieden für die Zukunft verändern könnte. Im Seminar analysieren wir den Film und arbeiten seine Kernideen heraus.

Inhalte:

  • Darstellung der Ursachen von Krieg und der Rechtfertigungsversuche
  • Funktion und Wirkung beim gegenseitigen Aufbau von Feindbildern
  • Dialektik von Diskurs und Emotionalität
  • Möglichkeiten der Überwindung von gegenseitigem Hass


09:00 Uhr - 16:30 Uhr

Politische Akademie der SDS

Europaallee 18

66113 Saarbrücken

Elena Steinmetz

Telefon: 0681 - 906 26 - 11

Referentin:

Uschi Schmidt-Lenhard, M.A.

Germanistin (Literaturwissenschaft, Linguistik, Soziologie und Kunstgeschichte), Publizistin (wissenschaftlicher) Literatur, Buchrezensionen, Filme, Hörfunk-Features, Vorsitzende der Wolfgang-Staudte Gesellschaft. Seit 2008 ist sie Dozentin für Autobiografie an VHS und Universität.