Archiv (Audio on demand)

Antifaschismus und Opfersemantik im europäischen Entschädigungsdiskurs nach 1945

Vielerorts gehen die Anfänge der Wiedergutmachung auf antifaschistische Initiativen zurück. Zudem pflegten Antifaschisten einen regen, grenzübergreifenden Erfahrungsaustausch. Ein Ergebnis davon war eine – aus heutiger Sicht erstaunliche – Harmonisierung der Opfersemantik im Nachkriegseuropa. Angelehnt an die Leitfigur des antifaschistischen Kämpfers war der idealtypische Verfolgte jemand, der für seine Überzeugungen gekämpft und gelitten hatte. Analog kam der Entschädigung die Funktion zu, Verdienste im Kampf gegen den Nationalsozialismus zu honorieren und eine entsprechende Opferhierarchie zu institutionalisieren. Als nicht unbeabsichtigter Nebeneffekt konnte die antifaschistische Programmatik daraus moralische Autorität im Konkurrenzkampf um die politische Neugestaltung Europas schöpfen. Stillschweigend nahm man damit auch eine Marginalisierung der „passiven“ Opfer, und nicht zuletzt der jüdischen Verfolgten, in Kauf.

im Rahmen der Tagung „Transnationaler Antifaschismus“ des Lehrstuhls für Neuere Geschichte und Landesgeschichte der Universität des Saarlandes

ReferentIn:

PD Dr. Regula Ludi

PD Dr. Regula Ludi

PD Dr. Regula Ludi

Privatdozentin an der Universität Zürich. Nach der Promotion mehrere Jahre Mitarbeiterin im Forschungsteam der Unabhängigen Expertenkommission Schweiz Zweiter Weltkrieg, Mitautorin der Berichte zur Flüchtlingspolitik und der Roma, Sinti und Jenischen. Anschließend mehrjährige Forschungsaufenthalte in den USA (Harvard University, UCLA, Holocaust Memorial Museum Washington), in Frankreich (IHTP, Paris) und in England (Wiener Library, London) und Lehrtätigkeit an verschiedenen Schweizer Universitäten. Wichtigste Publikationen zum Thema: „Reparations for Nazi Victims in Postwar Europe“, (Cambridge 2012); „Antifaschistische Kämpfer und Opfer des Faschismus nach dem Zweiten Weltkrieg. Überlegungen zur historischen Semantik des Opferbegriffs“, in: Themenportal Europäische Geschichte, 2012 <http://www.europa.clio-online.de/2012/Article=536>; „The Vectors of Post-War Reparations: Relief, Redress, and Memory Politics“, in: Journal of Contemporary History 41/3, 2006, 421-450.

13. Oktober 2014
18:00 Uhr

Haus der Stiftung Demokratie Saarland

Vortrag

Carmen Oschmann
Telefon: 0681 - 906 26 - 21

 Anhören