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Das Gespenst des Kapitals

Seit den hektischen Verhandlungen über die Rettung von Lehmann Brothers im September 2008 wurden die Regierungsgeschäfte von Expertenkomitees, improvisierte Gremien oder „Troikas“ übernommen, die ausschließlich durch außerordentliche Ereignisse und Ausnahmefälle legitimiert wurden. Vor diesem Hintergrund verfolgt der Vortrag die Dynamik eines kapitalistischen Systems, das durch die Ko-Evolution von Staaten und Märkten geprägt ist und zu einer Intensivierung wechselseitiger Abhängigkeiten führte. Die Entgegensetzung von Politik und Wirtschaft, Staat und Markt erweist sich als Legende des Liberalismus und reicht nicht hin, die Struktur moderner Regierungsmacht zu fassen. Von frühneuzeitlichen Großunternehmen über die Entstehung von Zentralbanken bis zur Herrschaft der Finanzökonomie wird das Geschick unserer Gesellschaften von unkontrollierten „Souveränitätseffekten“ bestimmt, in denen sich die Produktion von Werten mit der Organisation von Macht verknüpft.

ReferentIn:

Prof. Dr. Joseph Vogl

Prof. Dr. Joseph Vogl

Prof. Dr. Joseph Vogl

ist Professor für Literatur- und Kulturwissenschaft/Medien an der Humboldt-Universität zu Berlin und Permanent Visiting Professor an der Princeton University. Seine Arbeitsschwerpunkte liegen in der Literaturgeschichte vom 18. bis 20. Jahrhundert, in Literatur- und Medientheorie, in der Geschichte des ökonomischen und politischen Wissens. Zuletzt erschienen u.a. Kalkül und Leidenschaft. Poetik des ökonomischen Menschen (2002), Über das Zaudern (2007), Soll und Haben. Fernsehgespräche (mit Alexander Kluge, 2009) und Das Gespenst des Kapitals (2010).

08. Dezember 2014
18:00 Uhr

Haus der Stiftung Demokratie Saarland

Vortrag

Carmen Oschmann
Telefon: 0681 - 906 26 - 21

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