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Das Guevara-Projekt und die kubanische Revolution

Geschichte und Gegenwart

Die anhaltende Faszination, die von der Figur Che Guevaras bis heute ausgeht, hat sicherlich Gründe in der Person selbst. Er war (nach eigenem Bekenntnis) ein Abenteurer, der den mythopoetischen "Traumpfaden" eines Pablo Neruda und anderer Dichter seines Kontinents folgte. Von Kuba aus verfolgte er das Projekt einer Weltrevolution gegen die kapitalistische Supermacht des "Nordens", die USA - einer Revolution, die er auf eigene Faust entzünden wollte. Im Feuer dieses reinigenden Weltbrandes sollte der neue, kollektive "Mensch des 21. Jahrhunderts" geboren und gehärtet werden. Eine ziemlich schaurige Vorstellung. Und doch ist der historische Ernesto Guevara eine ungleich interessantere und komplexere Figur als die eindimensionale Ikone, die man nach seinem Tod aus ihm gemacht hat.
In seinem neuen Buch "Traumpfade der Weltrevolution" nimmt Gerd Koenen den Mann und sein Projekt der "zwei, drei, vielen Vietnams" historisch ernst - ernster allerdings, als vielen der kritiklosen Bewunderer des Che lieb sein dürfte. Und er zeichnet zugleich die Wege der kubanischen Revolution und ihres ewigen Chefkommandanten Fidel Castro nach, dessen Machtübergabe an Bruder Raúl nicht verdecken kann, daß auch dieses historische Experiment nun an sein Ende gekommen ist. Wie das geschieht, hängt wie eh und je auch von den Weichenstellungen in Washington ab. Insofern geht in diesem Vortrag zugleich um ein recht aktuelles Thema.

ReferentIn:

Gerd Koenen

Gerd Koenen

Gerd Koenen

geboren 1944 in Marburg/Lahn. Studium der Geschichte, Politikwissenschaften und Romanistik in Tübingen und Frankfurt. Von 1967 bis 1980 politischer Aktivist, anfangs des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes (SDS), später des Kommunistischen Bundes Westdeutschland (KBW), seit 1976 als Redakteur des Zentralorgans KVZ.

In den 80er Jahren Tätigkeit Arbeit als Verlagslektor und Journallist, seit 1990 kontinuierliche Tätigkeit als freier Publizist für Presse, Funk und Fernsehen, als Veranstalter (Ost-westeuropäisches Kulturzentrum Palais Jalta Frankfurt) sowie als Autor einer Reihe historischer Sachbücher.

In den Jahren 1993 bis 1996 zugleich wissenschaftlicher Mitarbeiter am Forschungsprojekt „West-östliche Spiegelungen“ von Lew Kopelew (an der Universität Wuppertal). Dissertation im Fach Osteuropäische Geschichte 2002/03 an der Universität Tübingen.

Zuletzt erschienen: „Traumpfade der Weltrevolution. Das Guevara-Projekt“, Kiepenheuer & Witsch, Köln, 2008; „Der Russland-Komplex. Die Deutschen und der Osten 1900-1945“, C.H.Beck, München, 2005. Für dieses Buch wurde Gerd Koenen mit dem Leipziger Buchpreis für europäische Verständigung 2007 ausgezeichnet.

23. März 2009
18:00 Uhr

Haus der Stiftung Demokratie Saarland

Vortrag

Carmen Oschmann
Telefon: 0681 - 906 26 - 21

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