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Das neue Rollenbild der Väter?!

Mentale und strukturelle Hürden

Männer versuchen auf unterschiedlichen Pfaden, den neuen Herausforderungen zwischen Familie und Beruf zu begegnen. Sie treffen dabei allerdings immer noch auf mentale Hürden ihrer Arbeitgeber und auf eine Vielzahl von strukturellen Barrieren. Zudem sind Väter selbst ein Produkt geschlechtsspezifischer Sozialisation und haben traditionelle Geschlechterrollenstereotype verinnerlicht. Selbst die Vertreter des Typs „moderne Männer“ wünschen sich viel Zeit für die eigene Karriere, eine romantische Beziehung und viel Freizeit. Diese Zielvorstellungen kollidieren mit den Erwartungen der jungen Frauengeneration, die in der übergroßen Mehrheit berufstätig sein will, ohne deshalb auf Kinder zu verzichten. Die jüngste Shell-Studie kommt zu dem Ergebnis, dass zwar 80 % der jungen Frauen ein egalitäres Partnerschaftsmodell befürworten, aber nur 40 % der jungen Männer. Diese „40/80 Misere“ zeigt, dass Frauen längst den Aufbruch in die wissensbasierte Dienstleistungsgesellschaft angetreten sind, wohingegen sich bei den Männern zwar die verbale Begrüßung einer neuen Rollenvielfalt abzeichnet, der allerdings Taten bislang nur zögerlich folgen. Das Zurückstellen des Berufs zugunsten der Familie wird – von Männern und auch von Frauen – immer noch als „unmännlich“ angesehen. So ist auch die Teilzeitquote bei Männern äußerst gering. Im Gegenteil: Ab der Geburt des ersten Kindes nimmt die Arbeitszeit der Väter zu, die der Mütter ab, was zur einer Retraditionalisierung herkömmlicher Geschlechterrollenmuster beiträgt. Werden Männer nach ihrer Einschätzung gefragt, warum ihr Engagement in der Familie nicht stärker wächst, so begründet dies ein Großteil mit Einkommensnachteilen. Diese fallen wegen der nach wie vor geschlechtsspezifischen Bezahlung von Frauen geringer aus, wenn die Mutter die Familienarbeit übernimmt.

ReferentIn:

Prof. Dr. Uta Meier-Gräwe

Prof. Dr. Uta Meier-Gräwe

Prof. Dr. Uta Meier-Gräwe

geb. 1952; 1972-1975: Studium der Ökonomie und Soziologie in Ostberlin, 1978 Promotion, 1986 Dissertation B (vergleichbar der Habilitation nach Einigungsvertrag) als Familiensoziologin an der Humboldt-Universität zu Berlin. Wiss. Tätigkeit am Institut für Soziologie und Sozialpolitik der Akademie der Wissenschaften der DDR. Von 1990-1994 wiss. Referentin am Deutschen Jugendinstitut e.V. in München, von 1991-1992 zweisemestrige Lehrstuhlvertretung am Institut für Soziologie der Ludwig-Maximilians-Universität in München, 1994 Berufung auf den Lehrstuhl für Wirtschaftslehre des Privathaushalts und Familienwissenschaft am Institut für Wirtschaftslehre des Haushalts und Verbrauchsforschung der Justus-Liebig-Universität Gießen.

 

Weitere Funktionen (Auswahl): Von 1993-1998 Bundesvorsitzende von Pro Familia, von 2003-2005 Mitglied der Sachverständigenkommission zur Erstellung des 7. Familienberichts der Bundesregierung; seit Juli 2003 Mitglied des Wissenschftlichen Beirats des Deutschen Jugendinstituts in München e.V., externe Expertin der Gemeinschaftsinitiative EQUAL bei der Europäischen Union, seit 2006 Mitglied der Agendagruppe des Kompetenzzentrums „Familienbezogene Leistungen“ bei Familienministerin Dr. Ursula von der Leyen, Mitglied der Enquete-Kommission „Demographischer Wandel“ des Saarländischen Landtags (2006-2009), und seit Februar 2008 Mitglied der Sachverständigenkommission zur Erstellung des 1. Gleichstellungsberichts der Bundesregierung.

12. April 2010
18:00 Uhr

Haus der Stiftung Demokratie Saarland

Vortrag

Carmen Oschmann
Telefon: 0681 - 906 26 - 21

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