Archiv (Audio on demand)

Das russische Kasan

Modell für einen aufgeklärten Islam?

Aufgeklärter Islam? Ausgerechnet in Russland? Absurd? Aufgeklärter Islam sei ein Widerspruch in sich, meinen dessen Kritiker, solange der Koran von Muslimen als Gottes unmittelbares Wort verstanden werde, dem sich das soziale und politische Leben unterzuordnen habe, und von Russland sei ohnehin nicht gerade Aufklärung zu erwarten. Einer der schärfsten Kritiker des Islams, der erklärte Atheist Ibn Waraq, ruft gar zum „kalten Krieg“ gegen die die „totalitäre Ideologie“ des Islams auf. Die alles entscheidende Frage heiße heute: Islamisierung der Welt oder Verweltlichung des Islams? In Waraqs Gefolge tummeln sich weitere Kritiker, die Islam, Islamismus, Terrorismus, Nazismus, Bolschewismus und Stalinismus in einem Atemzug nennen. Tatsächlich ist gerade Russland, duchsetzt mit nahezu zwanzig Prozent muslimischer Bevölkerung, zu weiten Teilen umgeben von muslimischen Staaten und nach Perestroika weltanschaulich am Punkte Null, prädestiniert dafür, neue Wege für ein aufgeklärtes Verhältnis von Islam und Welt zu entwickeln. Exemplarisch dafür steht die „heimliche islamische Hauptstadt“ Russlands, Kasan, mit dem in ihr entwickelten „Jaddidismus“. Kai Ehlers spricht darüber, welche Botschaften von diesem Modell ausgehen.

ReferentIn:

Kai Ehlers

Kai Ehlers

Kai Ehlers

geb. 1944, studierte Geschichte, Publizistik und Theaterwissenschaften in Göttingen und Berlin, war aktiver Teilnehmer der außerparlamentarischen Opposition von 1968 (APO) in Berlin und lebt seit 1971 als politischer Journalist in Hamburg, wo er als Gründungsmitglied des KB/Hamburg und Redakteur der Zeitung „ak“ tätig war. Seit 1983 ist er zunehmend unterwegs in der Sowjetunion/Russland, inzwischen auch in Zentral- und Innerasien. Er ist als selbstständiger Buchautor und als Radio- und Pressejournalist tätig. In den letzten Jahren beschäftigte er sich zunehmend mit der Frage, was aus der russischen Transformation für die Diskussion um Alternativen in Deutschland bzw. auch im Prozess der Globalisierung zu lernen sein könnte. Dabei konzentriert er sich in zunehmendem Maße auf die Frage, was Menschenwürde in unserer globalisierten Welt von heute und in Zukunft bedeuten und wie sie gewahrt und entwickelt werden kann.

08. November 2010
18:00 Uhr

Haus der Stiftung Demokratie Saarland

Vortrag

Carmen Oschmann
Telefon: 0681 - 906 26 - 21

 Anhören