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Der erste Weltkrieg

als Jahrhundertkatastrophe

Es ist in der Geschichtswissenschaft üblich geworden, den Ersten Weltkrieg als „Urkatastrophe“ (George F. Kennan) des 20. Jahrhunderts zu deuten, der nicht nur etwa 10 Millionen getötete Soldaten hinterlassen und die politische Ordnung in Europa umgestürzt, sondern auch alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens so tiefgehend erfasst und umgeprägt hat, dass kaum eine Entwicklung der Folgezeit nicht nur in der Politik, sondern auch in Wirtschaft, Sozialordnung und Kultur ohne seine Wirkungen erklärt werden kann.
Dabei war der Erste Weltkrieg nur der Auftakt zu einer von Kriegen und Bürgerkriegen, von Nationalismus, Chauvinismus und Imperialismus geprägten Phase der Weltgeschichte, die erst im Zweiten Weltkrieg ihren Höhepunkt erreichte. Und auch darüber hinaus blieben die Grundkonstellationen der internationalen Politik geprägt von den Systemkonflikten, die im Ersten Weltkrieg entstanden sind.
Im Kern handelte es sich bei diesem Krieg allerdings um einen europäischen Konflikt, der seine Ursachen vor allem in dem säkularen Modernisierungsprozess hatte, den Europa im ‚langen‘ 19. Jahrhundert seit der Französischen Revolution durchlaufen hatte. Der von den Zeitgenossen lange gefeierte industrielle, politische und kulturelle Fortschritt führte in eine „Krise der europäischen Moderne“ und zeigte im Ersten Weltkrieg mit propagandistischer Massenmobilisierung, industrieller Massenvernichtung und Völkermord erstmals in aller Klarheit die schreckliche Seite ihres Janusgesichts. Zugleich brachte dieser Krieg aber auch vielfältige Versuche hervor, die Krise der Moderne produktiv zu bewältigen und neue, weit in die Zukunft reichende Lösungsmöglichkeiten zu finden.

ReferentIn:

Prof. apl. Dr. Wolfgang Kruse

Prof. apl. Dr. Wolfgang Kruse

Prof. apl. Dr. Wolfgang Kruse

geb. 1957, Studium der Geschichts- und Literaturwissenschaft in Bielefeld und Berlin. Promotion 1990 bei Prof. Reinhard Rürup an der Technischen Universität Berlin, Habilitation 2001 an der FernUniversität Hagen. Hier tätig als Akademischer Oberrat und apl. Professor für Neuere deutsche und europäische Geschichte.Zahlreiche Veröffentlichungen insbesondere zur Geschichte des Ersten Weltkriegs, der Französischen Revolution, der deutschen und internationalen Arbeiterbewegung sowie des modernen politischen Totenkults.

06. Januar 2014
18:00 Uhr

Haus der Stiftung Demokratie Saarland

Vortrag

Carmen Oschmann
Telefon: 0681 - 906 26 - 21

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