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Der Kampf zwischen der Bundesregierung und der Generalität

Bis jetzt war der Vorgang nicht bekannt, vieles unterlag der Geheimhaltung. Mitte der 60er Jahre entstanden zwar Gerüchte über Atomwaffen in Deutschland, es war die Rede von „Atomminen“ und daß die Bundeswehr darüber verfügen könne, doch Genaues wußte niemand, alles wurde dementiert.
Der Wehrexperte Detlef Bald hat sich des Themas angenommen und dabei Erstaunliches herausgefunden: Die Bundeswehr plante für den Ernstfall den schnellen Ersteinsatz von Atomwaffen mit dem Ziel der großen Eskalation, ohne politische Konsultationen und ohne daß die Zustimmung der Bundesregierung eingeholt werden sollte. Die Strategie der NATO, politische Kontrolle auszuüben, wurde de facto unterlaufen.
Als Bundesverteidungsminister Helmut Schmidt dies 1969 feststellte, begann ein langwieriger Machtkampf, den er nur durch Geheimdiplomatie mit dem amerikanischen Verteidigungsminister Melvin Laird gewinnen konnte. Schmidt setzte die Befehlsgewalt der Politik gegenüber dem Militär durch, erreichte, daß die Regierung und nicht die Militärs über die Verteidigung der Bundesrepublik entscheiden. Für ihn war die Politik gefordert, Wege aus der Krise zu suchen, zu deeskalieren und für den Frieden zu arbeiten.
Detlef Bald hat für die Aufarbeitung dieser Geschichte erstmals Geheimakten des Bundesarchives ausgewertet, u.a. Interviews mit Generalinspekteuren, hohen Beamten, mit Hemut Schmidt und Melvin Laird geführt und hatte Zugang zum Privatarchiv Helmut Schmidts.

ReferentIn:

Dr. Detlef Bald

Dr. Detlef Bald

Dr. Detlef Bald

geb. 1941 in Plettenberg/Westf., Studium der Politikwissenschaft und Geschichte in Freiburg/Brsg., war wiss. Mitarbeiter des Arnold-Bergstraesser-Instituts in Freiburg, wiss. Assistent am Seminar für Politische Bildung der Universität Frankfurt/M., arbeitete u.a. mit an der Bundeswehr-Reform von Minister Helmut Schmidt, war bis 1996 zuständig für Militär und Gesellschaft am Sozialwissenschaftlichen Institut der Bundeswehr und ist seitdem als freier Publizist in München und am Institut für Friedens- forschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg tätig.

27. Oktober 2008
18:00 Uhr

Haus der Stiftung Demokratie Saarland

Vortrag

Carmen Oschmann
Telefon: 0681 - 906 26 - 21

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