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Die Finanzkrise in historischer Perspektive

Der Ausbruch der weltweiten Finanzkrise im Sommer 2007 – mit der anschließenden Wirtschaftskrise seit 2008 – hat nicht nur Kleinanleger, Großinvestoren und Politiker, sondern auch die Mehrzahl der Wirtschaftswissenschaftler völlig überrascht. Entsprechend der vorherrschenden Theorie hätte ein solches Ereignis ebenso wenig vorkommen dürfen wie ein schwarzer Schwan, denn der Marktmechanismus gewährleiste die Lösung aller wirtschaftlichen Probleme viel besser als staatliche Vorschriften und Kontrollen. Die letzteren, die für den Finanzsektor nach der Großen Krise der 1930er Jahre zur Vorbeugung weltweit eingeführt worden waren, sind im Zuge der Politik der „Deregulierung“ seit den 1970er Jahren wieder abgebaut worden. Doch wer staatliche Brandschutzvorschriften für überflüssig hält, weil es lange nicht mehr gebrannt hat, darf sich nicht wundern, wenn sich nach ihrer Aufhebung Brandkatastrophen wiederereignen, die man längst nicht mehr für möglich hielt.

ReferentIn:

Prof. Dr. Carl-Ludwig Holtfrerich

Prof. Dr. Carl-Ludwig Holtfrerich

Prof. Dr. Carl-Ludwig Holtfrerich, FU Berlin

geb. 1942, war von 1983 bis zu seiner Emeritierung 2007 Professor für Volkswirtschaftslehre und Wirtschaftsgeschichte an der Freien Universität Berlin, wo er weiterhin forschend tätig ist. Er gehört zu den profiliertesten Wirtschaftshistorikern Deutschlands. Seine Habilitationsschrift „Die deutsche Inflation 1914–1923“ ist auch in englischer, italienischer und französischer Übersetzung erschienen. Er ist einer der fünf Autoren des Buches "Die Deutsche Bank 1870 bis 1995", das mit dem Financial Times/Booz Allen &Hamilton Global Business Book Award für das weltweit beste Buch der Unternehmensgeschichte 1995 ausgezeichnet wurde. Prof. Holtfrerich ist Mitglied der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften und leitet dort aktuell eine Arbeitsgruppe zum Thema „Staatsschulden in der Demokratie. Ursachen, Wirkungen und Grenzen“. Vom Bundeswirtschaftsministerium in eine Geschichtskommission berufen, ist er zurzeit auch an der Aufarbeitung der Geschichte des Wirtschaftsministeriums in Deutschland seit dem Kaiserreich federführend beteiligt.

18. März 2013
18:00 Uhr

Haus der Stiftung Demokratie Saarland

Vortrag

Carmen Oschmann
Telefon: 0681 - 906 26 - 21

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