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Die Gier und das Glück

Wir zerstören, wonach wir uns sehnen

Gier und Maßlosigkeit, Selbstüberschätzung und Gleichgültigkeit, Geiz und Neid gab es immer. Aber sie galten als Laster. Heute gelten sie mehr und mehr als Tugend im nahen und weltweiten Konkurrenzkampf aller mit allen, aller gegen alle. In der Verkehrung von Lastern zu Tugenden liegt der Kern unserer westlich-demokratischen, auf Wohlstand, Wachstum und Kapitalvermehrung ausgerichteten Kultur, die dabei ist, alle anderen Weltkulturen zu beherrschen.
Jeder Mensch steht vor der Gefahr, sich selber giergesteuert den materiellen sinnlichen Verlockungen des Lebens  auszuliefern und im Konsumieren sein Lebensziel und sein Lebensglück zu suchen - ohne zu wissen, welchen Illusionen er unterliegt. Der sich glückende Mensch entdeckt, was Lebensglück ist, das sich nicht vom Mehr, nicht vom Größer, Schneller, Billiger treiben lässt. Glück ist weder im bloß Materiellen, noch im bloß Geistigen zu finden, sondern im reflektierten Zusammenstimmen von beidem.
Weil das Glück vergänglich und zerbrechlich ist, können wir es überhaupt erfahren.

ReferentIn:

Dr. h.c. Schorlemmer

Dr. h.c. Schorlemmer

Dr. h.c. Friedrich Schorlemmer

geb. 1944, aufgewachsen in der Altmark. Volkshochschulabitur. Von 1962 - 1967 Studium der Theologie in Halle, Vikar in Halle-Neustadt. Von 1967 - 1971 Studieninspektor in den Franckeschen Stiftungen, von 1971 - 1978 Jugend- und Studentenpfarrer in Merseburg. Von 1978 - 1992 Dozent am Evangelischen Predigerseminar und Prediger an der Schlosskirche in Wittenberg, seit 1992 Studienleiter an der Evangelischen Akademie Sachsen-Anhalt in der Lutherstadt Wittenberg.Mitglied im P.E.N.-Zentrum Bundesrepublik Deutschland seit 1991, Mitglied der Deutschen UNESCO-Kommission. 1989 Carl-von-Ossietzky-Medaille der Internationalen Liga der Menschenrechte, 1993 Friedenspreis des Deutschen Buchhandels, 2002 Ehrendoktor der Concordia University in Austin/Texas, 2009 Bundesverdienstkreuz 1. Klasse.Auswahl der Publikationen: „Klar sehen und doch hoffen. Mein politisches Leben“, 2012; „Wohl dem, der Heimat hat“, 2009; „Was protestantisch ist“, Herausgeber, 2008.

23. März 2015
18:00 Uhr

Haus der Stiftung Demokratie Saarland

Vortrag

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