Archiv (Audio on demand)

Die Macht? der Intellektuellen

Um der öffentlichen Rolle der Intellektuellen gerecht zu werden, muss man Macht und Einfluss unterscheiden. Intellektuelle können einen erheblichen Einfluss auf das Weltgeschehen haben, aber sie haben keine Macht, wenn darunter die Fähigkeit, glaubhaft Sanktionen anzudrohen, zu verstehen ist. Öffentlicher Einfluss erzeugt zwar keine Sanktions- oder Entscheidungsmacht, wohl aber kommunikative Macht. Letztere ist das eigentliche Metier der Intellektuellen. Zwar haben einige von ihnen als Politikberater („Wirtschaftsweise“. „Ethikkommissare“) einen direkten, wenn auch rein informellen (und in der Regel geringen) Einfluss auf Entscheidungsmacht, aber die „eggheads“, die seit Roosevelt die Hauptstädte bevölkern, agieren immer erst dann als ‚allgemeine Intellektuelle’ (Sartre), wenn sie sich aus ihrer Beraterrolle zurückziehen und ihr Wissen mit ungewissem Ausgang der öffentlichen Meinung aussetzen. Das gilt auch noch für Foucaults ‚spezielle Intellektuelle’, die als Gegen-Experten für Greenpeace, Amnesty International oder das Weltsozialforum arbeiten. Kurz: Es gibt in der modernen Massendemokratie und Massengesellschaft kein intellektuelles Privileg mehr. Wohl aber bleibt den Intellektuellen die versuchsweise Artikulation radikaler Gesellschaftskritik, der es um die Erschließung der ‚symptomatischen Wahrheit’ (Zizek) ihrer Zeit geht.

ReferentIn:

Prof. Dr. Hauke Brunkhorst

Prof. Dr. Hauke Brunkhorst

Prof. Dr. Hauke Brunkhorst

geb. 1945; Studium der Philosophie, Erziehungswissenschaften und Soziologie in Kiel, Freiburg und Frankfurt. 1979-1993 Gastprofessuren und Lehrstuhlvertretungen in Kassel, Frankfurt, Osnabrück, Mainz, Wien und Berlin. 1994-1996 Fellow am Kulturwissenschaftlichen Institut des Wissenschaftszentrums Nordrhein-Westfalen in Essen. Seit 1997 Professor für Soziologie an der Universität Flensburg und darüberhinaus von 2009-2010 Theodor-Heuss-Professor an der New School for Social Research New York.

Buchveröffentlichungen: Der Intellektuelle im Land der Mandarine (suhrkamp, Frankfurt 1987); (mit G. Koch) Marcuse zur Einführung (Junius, Hamburg 1988); Theodor W. Adorno. Dialektik der Moderne (Piper, München 1990); Der entzauberte Intellektuelle (Junins, Hamburg 1990); Hrsg. (m. M. Brumlik), Gemeinschaft und Gerechtigkeit (Fischer, Frankfurt 1993); Demokratie und Differenz. Vom klassischen zum modernen Begriff des Politischen (Fischer, Frankfurt 1994); Solidarität unter Fremden (Fischer, Frankfurt 1997). Hanna Arendt (Becksche Reihe Denker, München 1999). Einführung in die Geschichte politischer Ideen (UTB, Paderborn 2000). Hrsg., Einmischung erwünscht? Weltbürgerrecht in einer Welt der Bürgerkriege (Fischer, Frankfurt 1998). Hrsg., Demokratischer Experimentalismus (Suhrkamp, Frankfurt 1998). Hrsg. (Zus. mit Peter Niesen). Das Recht der Republik (Suhrkamp, Frankfurt 1998). Hrsg. (Zus. mit Matthias Kettner), Globalisierung und Demokratie (Suhrkamp, Frankfurt 2000).

31. Oktober 2011
18:00 Uhr

Haus der Stiftung Demokratie Saarland

Vortrag

Carmen Oschmann
Telefon: 0681 - 906 26 - 21

 Anhören