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Die neuen Mauern in der Globalisierung

Die euphorischen Erwartungen einer offenen Welt nach dem Fall des Eisernen Vorhangs haben sich nur zum Teil erfüllt. Zwar wird die ökonomische Globalisierung immer intensiver, zwar genießen die Bürger der wohlhabenden Staaten Bewegungsfreiheit und konsumieren Produkte der ganzen Welt. Andererseits aber schotten sich reiche Länder gegen die Menschen aus armen Ländern ab und bauen ihre Grenzkontrollsysteme aus. Die USA, Israel, Indien und Saudi-Arabien errichten an ihren Landgrenzen gigantische Sperrsysteme über Hunderte bzw. Tausende von Kilometern, die an die Chinesische Mauer und den römischen Limes erinnern. Die neuen Mauern haben sowohl einschneidende materielle Wirkungen als auch intensive symbolische Ausstrahlungen. Motiviert werden sie mit dem Schutz vor Zuwanderung, der Bewahrung von Sicherheit und Souveränität, als perfekte technische Lösung politischer Probleme. Im Prozess der Abgrenzung kommt es zu Kulturalisierungen der Unterschiede und einer Radikalisierung der Abgrenzungsdiskurse. Der Bau einer Grenzmauer evoziert die Errichtung höherer und weiterer Mauern bis hin zur Abschottung aller Grenzen, während gleichzeitig auch Öffnungsprozesse stattfinden und die dominanten Staaten über die Mauern hinaus greifen. Bisher ist offen, ob die EU ihre Grenzen weiter öffnen oder sich ebenfalls einmauern wird.

ReferentIn:

Prof. Dr. Dietrich Thränhardt

Prof. Dr. Dietrich Thränhardt

Prof. Dr. Dietrich Thränhardt

Universität Münster, Institut für Politikwissenschaft. 2008/09 Fellow an der Transatlantic Academy, Washington, Verfasser von Geschichte der Bundesrepublik Deutschland sowie "Europe – a New Immigration Continent" und vieler weiterer Bücher und Aufsätze zu Migration und Integration in Deutschland, den Niederlanden, Japan und Europa.

03. Dezember 2012
18:00 Uhr

Haus der Stiftung Demokratie Saarland

Vortrag

Carmen Oschmann
Telefon: 0681 - 906 26 - 21

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