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Die Ost-CDU nach der „Wende“

Integration, Identität und der Umgang mit dem Erbe der Blockpartei

Im Blockparteien-System der SBZ/DDR hatte sich die – 1945 als eigenständige, gesamtdeutsche und christlich-soziale Partei gegründete, bis Anfang der 50er Jahre aber weitgehend gleichgeschaltete – Ost-CDU zu einer Art „Wurmfortsatz“ der SED gewandelt. Wie die anderen „Blockparteien“ war sie an den politischen Entscheidungen der SED-Führung nicht wirklich beteiligt, wohl aber an der Umsetzung der Ergebnisse und insofern Teil des SED-Systems. Denn für alle „befreundeten Parteien“ gab es Kontingente an Funktionen und Positionen in Gesellschaft, Wirtschaft und Staat. Ihre Kader zählten zu den Funktionseliten der DDR und trugen damit auch politische Mitverantwortung. Die Unruhe an der Basis der DDR-CDU bewirkte im Herbst 1989 den Sturz der kompromittierten Parteiführung unter Gerald Götting. Die mit Bürgerrechtsgruppen wie dem „Demokratischen Aufbruch“ und der „Gruppe der 20“ fusionierte Ost-CDU wurde 1990 zum parteipolitischen Pendant der West-CDU. In der kurzen Phase bis zur deutschen Vereinigung blieb jedoch kaum Zeit, um die Ost-Partei von unten her neu aufzubauen. Die Folgen zeigten sich bereits in den Konflikten und Identitätsdebatten der 1990er Jahre und lösten, zwanzig Jahre nach der Wende, erneut eine aktuelle Debatte über die ausgebliebene Aufarbeitung der Parteigeschichte aus.

ReferentIn:

PD Dr. Ute Schmidt

PD Dr. Ute Schmidt

PD Dr. Ute Schmidt

geb. 1943. Studium der Geschichte, Kunstgeschichte, Germanistik und Politischen Wissenschaft in München und Berlin, 1974-1989 Lehre und Forschung an der FU, Forschungsschwerpunkt: Parteien und soziale Bewegungen in Deutschland, speziell: Politischer Katholizismus, Zentrum, CDU. Seit 1996 Privatdozentin an der Universität Hamburg, 1999 - 2002 wissenschaftliche Mitarbeiterin am Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung in Dresden, Arbeitsgebiet: Politische Repression in der SBZ/DDR. Seit Dezember 2004 Mitarbeit im Forschungsverbund SED-Staat an der FU-Berlin, seit 2006 Privatdozentin an der FU. Projektleiterin im Forschungsverbund SED-Staat der FU, derzeitige Projektleitung: Deportierte deutsche Zivilverschleppte in der Sowjetunion (1944-1956), ein deutsch-russisches Kooperationsprojekt.

 

Reaktionsmitglied der Zeitschrift des Forschungsverbundes SED-Staat.

 

Veröffentlichungen u.a.: Zentrum oder CDU. Politischer Katholizismus zwischen Tradition und Anpassung (1987); Von der Blockpartei zur Volkspartei. Die Ost-CDU im Umbruch 1989-1994 (1997); Sowjetische Militärtribunale, Band I: Die Verurteilung deutscher Kriegsgefangener 1941-1953, Hg. mit A. Hilger u. G. Wagenlehner (2001); Band II: Die Verurteilung deutscher Zivilisten 1945-1955, Hg. mit A. Hilger u. M. Schmeitzner (2003); Die Deutschen aus Bessarabien. Eine Minderheit aus Südosteuropa. 1814 bis heute (2003); Bessarabien. Deutsche Kolonisten am Schwarzen Meer. Verlag des Deutschen Kulturforums, Potsdam 2008.

22. März 2010
18:00 Uhr

Haus der Stiftung Demokratie Saarland

Vortrag

Carmen Oschmann
Telefon: 0681 - 906 26 - 21

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