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Georgien: Arena für den Machtkampf zwischen Rußland und den USA?

Der „Fünftagekrieg“ zwischen russischen und georgischen Streitkräften im August 2008 provozierte Schlagworte wie neuer Kalter Krieg und Stellvertreterkrieg, die auf eine geopolitische Rivalität zwischen Russland und den USA im Kaukasus anspielen. Bildet Georgien wirklich die Arena für einen Machtkampf zwischen Russland und den USA, für eine neue „Ost-West-Auseinandersetzung“, ein „neues Great Game“, das auch auf Zentralasien bezogen wird? Oder sind eher die regionalen Gegebenheiten im Südkaukasus und die Russland involvierenden ungelösten Sezessionskonflikte Georgiens für die Eskalation zum offenen Krieg verantwortlich zu machen?
Georgien demonstriert im GUS-Raum die stärkste euro-atlantische Orientierung. Seine forcierte euro-atlantische Ausrichtung provozierte Russland zu einer Politik der Bestrafung desjenigen „nahen Auslands“, das sich am deutlichsten nach Westen ausrichtete und diese Ausrichtung als „fleeing the Russian Empire“ präsentierte. Eine scharfe Konfrontation zwischen Russland und Georgien, die auch schon vor dem August 2008 militärische Handlungsmittel einschloss, wurde besonders nach dem Machtwechsel in Georgien und unter der Präsidentschaft Saakaschwilis unübersehbar. Einen Schwerpunkt des Vortrags bilden deshalb die russisch-georgischen Beziehungen zwischen 2004 und 2008. Höhepunkte in dieser Entwicklung waren die Südossetienkrise vom Sommer 2004, die Spionageaffäre vom Herbst 2006 und schließlich die Eskalationsphase im Umfeld Abchasiens und Südossetiens zwischen April und August 2008.
Als seinen sicherheitspolitischen Verbündeten im Westen betrachtete Georgien die USA, die seit 2002 eine zuvor erbarmenswerte georgische Armee modernisierte und aufrüstete und ihre NATO-Adaption unterstützte. Der Vortrag widmet sich der US-Politik im Südkaukasus und gegenüber Georgien in der hier behandelten Periode, wirft aber auch einen Blick auf die Rolle der Europäischen Union in dieser Region. Sind internationale Beziehungen in diesem kleinsten, aber konfliktträchtigsten Abschnitt des postsowjetischen Raums wirklich in erster Linie als „Machtkampf“ und „Geopolitik“ aufzufassen?

ReferentIn:

Dr. Uwe Halbach

Dr. Uwe Halbach

Dr. Uwe Halbach

geb. 1949. Studium der osteuropäischen Geschichte, Slavistik und allgemeine Geschichte in Köln. Von 1986 bis 2000 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Bundesinstitut für Ostwissenschaftliche und Internationale Studien mit den Forschungsfeldern Sowjetische Nationalitätenpolitk , Staats-und Nationsbildungsprozesse in der nachsowjetischen Entwicklung sowie Kaukasus und Zentralasien.

 

Seit 2001 ist Uwe Halbach wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin, Forschungsgruppe Russland/GUS, mit den Forschungsfeldern Staatsbildung in Zentralasien und Kaukasien, Islam im GUS-Raum und ungelöste Sezessionskonflikte im GUS-Raum.

 

Neueste Veröffentlichungen: Antiterrorismus und Jihad im postsowjetischen Raum, SWP-Studie S 22 – August 2007; Das Erbe der Sowjetunion. Kontinuitäten und Brüche in Zentralasien, in: Manfred Sapper, Volker Weichsel, Andrea Huterer (Hrsg.): Machtmosaik Zentralasien, Osteuropa, 8-9/2007, S.77-98; Eingefrorene Konflikte im Südkaukasus. Probleme und Grenzen der Europäisierung, in: Osteuropa. 11/2007, S.83-94; Zentralasien im Kampf gegen militanten Islamismus, SWP-Aktuell, A20, März 2008.

05. Oktober 2009
18:00 Uhr

Haus der Stiftung Demokratie Saarland

Vortrag

Carmen Oschmann
Telefon: 0681 - 906 26 - 21

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