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Geschichte der sozialen Ungleichheit in Deutschland

Alle uns bekannten Gesellschaften besitzen eine soziale Hierarchie, die in der Sprache der Sozial- und Geschichtswissenschaft auch oft das System der Sozialen Ungleichheit genannt wird. Im deutschsprachigen Mitteleuropa hat sich seit dem 18. Jahrhundert eine eigentümliche Mischung von ständischen, aus der Vergangenheit stammenden Formationen, und neuartigen sozialen Klassen, die ein Ergebnis der Marktwirtschaft gewesen sind, herausgebildet, wobei die sozialen Klassen seit der Mitte des 19. Jahrhunderts die stärkste Durchsetzungskraft besessen haben. In Deutschland hat es zwischen 1848 und 1945 auch den in den meisten westlichen Gesellschaften vorfindbaren Klassenkampf von oben und von unten gegeben. Erst in der Bundesrepublik ist es dann gelungen, auf der Basis des beispiellosen Wirtschaftsaufschwungs, des "Wirtschaftswunders", eine Entspannung zu erreichen. Sie hat trotz der immensen Wohlstandssteigerung aber nicht dazu geführt, dass sich das System  der Sozialen Ungleichheit in eine naiv verklärte Sozialpartnerschaft aufgelöst hat. In gewisser Hinsicht geht es in der Geschichte der Bundesrepublik auch immer um die Bürde ihres wirtschaftlichen Erfolgs, der zu einer krassen Steigerung der Sozialen Ungleichheit geführt hat, wie sie namentlich seit den 1980er Jahren immer deutlicher hervorgetreten ist. Im Zeichen der seit 2008 anhaltenden schweren Finanzkrise und Wirtschaftsdepression wird sich das damit verbundene Spannungspotential weiter aufbauen.

ReferentIn:

Prof. Dr. Ulrich Wehler

Prof. Dr. Ulrich Wehler

Prof. Dr. Ulrich Wehler

geb. 1931 in Freudenberg/Siegerland. Von 1952 - 1959 Studium der Geschichte und der Soziologie an den Universitäten Köln, Bonn, A­thens/Ohio, USA. Promotion 1960, Habilitation 1968, von 1968‑70 Privatdozent in Köln. 1970/71 Professor für amerikanische Geschichte an der Freien Universität Berlin, seit 1971 Professor für Allg. Geschichte des 19./20. Jahrhunderts an der Universität Bielefeld; 1996 Emeritierung. 1972 und 1989 Gastprofessor an der Harvard University, Cambridge/Mass; 1976 an der Princeton University, Princeton/N.J.; 1983/84 und 2004 an der Stanford University, Stanford/Cal.; 1987/88 an der Universität Bern und 1997 an der Yale University, New Haven/Conn.

28. Juni 2010
18:00 Uhr

Haus der Stiftung Demokratie Saarland

Vortrag

Carmen Oschmann
Telefon: 0681 - 906 26 - 21

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