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Gewalt junger Menschen – Eine gesunde Reaktion auf eine krankmachende Gesellschaft?

Strukturelle und kulturelle Bedingungen von Gewalt – Folgerungen für Gewaltprävention in Schule und Jugendhilfe

„Die beste Pädagogik ist eine Welt, in der zu leben sich lohnt“

In der öffentlichen Diskussion über Ursachen und Behandlung “auffälligen”, “abweichenden”, gewaltförmigen Verhaltens junger Menschen ist die Tendenz festzustellen, die Probleme und Lösungen zu individualisie­ren. Veränderte Lebens- und Bewegungswelten der jungen Menschen, die Bedeutung struktureller und kultureller Gewalterfahrungen finden bei der Analyse und Bearbeitung “auffälligen” Verhaltens kaum, zumindest viel zu wenig Be­achtung.

Auch politische Reaktionen auf Jugendgewalt erschöpfen sich auf in schöner Regelmäßigkeit erstellte teurere Gutachten, die öffentlichwirksam präsentiert, deren Inhalte und Forderungen aber nie oder nur marginal in die Praxis umgesetzt werden. Frei nach dem Motto: Repression ist - zumindest kurzfristig bis zur nächsten Wahlperiode - effektiver und preiswerter als Prävention.

Da das Verhalten von jungen Menschen, auch von gewalttätig agie­renden, durchweg aus ihren Lebenserfahrungen und ihren Versu­chen resultiert, mit diesen Erfahrungen und Eindrücken umzugehen, werden wir erst dann Erfolge in der Gewaltprävention haben, wenn wir nicht an den Problemen ansetzen, die junge Menschen uns manchen, sondern an denen, die sie haben. Das bedeutet nicht, aus Tätern Opfer zu machen, dahinter steht aber die Erkenntnis, dass junge Menschen erst dann offen sein werden für Argumente gegenüber den Problemen, die sie uns machen, wenn wir auch deren Probleme ernst nehmen und auch dort ansetzen.

Es gilt also, den Blick zu schärfen für die alltägli­chen Gewalterfahrungen in den Lebenswelten junger Menschen, und daraus Folgerungen für die Gewaltprävention abzuleiten.

ReferentIn:

Prof. Dr. phil. Gunter A. Pilz

Prof. Dr. phil. Gunter A. Pilz

Prof. Dr. phil. Gunter A. Pilz

Dipl.-Soziologe; geb. 5.12.1944. Studium der Soziologie, Psychologie und Volkswirtschaftslehre an der Universitäten Freiburg i. Brsg., Mün­chen und Zürich; 1972-1974 wiss. Mitarbeiter am Forschungsinstitut der Eidg. Turn- und Sport­schule Magglingen (Schweiz), seit 1975 am Institut für Sportwissenschaft der Universität Hanno­ver. Akad. Oberrat am Institut für Sportwissenschaft der Universität Hannover, Leiter des Arbeitsbereichs "Individuen und Gesellschaft" sowie Honorarprofessor und Lehrbeauftragter für Jugendgewalt und Gewaltprävention an der evangelischen Fachhochschule Hannover, Fachbereich Sozialwesen.

 

Forschungsschwerpunkte: Gewalt in der Gesellschaft und im Sport, Gewaltakzeptanz und Rechtsextremismus junger Menschen, Fair Play, (sport-, körper- und bewegungsorientierte) Soziale Arbeit, Medien und Gewalt sowie Bewegungsräume und Sportangebote für junge Menschen in städtischen Ballungsgebieten.

01. Oktober 2007
18:00 Uhr

Haus der Stiftung Demokratie Saarland

Vortrag

Carmen Oschmann
Telefon: 0681 - 906 26 - 21

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