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Hammer und Sichel suchen Kirschblüte

Die Beziehungen der DDR zu Japan

Mitte 1973 und damit relativ spät nahmen Japan und die DDR diplomatische Beziehungen auf. Schon im Vorfeld gab es großen Ärger, wollten die japanischen Diplomaten doch in West-Berlin wohnen.

Mit antifaschistischen Formeln oder alten Bekanntschaften aus der Zeit des Widerstandes war in Japan nichts zu bewegen, zu präsent war im Nachkriegsjapan eine positive Erinnerung an die alte Waffenbrüderschaft mit NS-Deutschland. So hielt sich das offizielle Japan bis in die 70er Jahre gegenüber Ost-Berlin auffallend zurück – ganz anders die DDR, fasziniert blickte sie auf die wirtschaftliche Erfolgsstory Japans.

Im Unterschied zu anderen Ländern ging es ihr bei Japan nicht primär nur um die Zurückdrängung des Bonner Alleinvertretungsanspruchs. Japan war für die DDR ein besonderes Land, beeinflusste es doch die Strategien für die Modernisierung der volkseigenen Wirtschaft.

Erst in der zweiten Hälfte der 70er Jahre verdichteten sich die Kontakte vor dem Hintergrund eines wachsenden Interesses von Japans Wirtschaft am Osthandel. Wie ein Paukenschlag traf 1981 Bonn die Nachricht vom Staatsbankett des Tenno für Erich Honecker und seinen Tross. Japan entwickelte sich in den 80er Jahren zum Schwerpunktland der DDR-Außenwirtschaftspolitik und zur Operationsbasis für Geldbeschaffung und Embargoverstöße. Zur Verdichtung der Kontakte hatte vor allem der erste Missionschef der DDR in Tokyo, Horst Brie, beigetragen. Er war ein Glücksfall für die DDR und verstand es, dem deutschen Arbeiter- und Bauernstaat über die Kultur die Türen zu Japans Establishment zu öffnen und politische und wirtschaftliche Interessen der DDR zu fördern.

Der Vortrag gibt einleitend einen kurzen Überblick über die Beziehungen der DDR zu Europa und entwirft ein Gesamtbild der politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Beziehungen der DDR zu Japan.

ReferentIn:

Dr. Hans-Christian Herrmann

Dr. Hans-Christian Herrmann

geb. 1964in Saarbrücken. Archivar im Staatsarchiv Leipzig, ist auch Historiker und hat sich neben den deutsch-französischen Beziehungen und der Saarpolitik mit den auswärtigen Beziehungen der DDR zu Frankreich und Österreich beschäftigt.

28. August 2006
18:00 Uhr

Haus der Stiftung Demokratie Saarland

Vortrag

Villa Lessing

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