Archiv (Audio on demand)

Islamismus und Antisemitismus

In Kooperation mit der Deutsch-Israelischen Gesellschaft

Der Islamismus hat sich in den Dreißigerjahren als antiwestliche und zugleich antijüdische Bewegung etabliert. Die Phantasien und Bilder, die er gegenwärtig mobilisiert, verwenden alle Versatzstücke des europäischen Antisemitismus von der Ritualmordlegende bis zur Weltverschwörungstheorie – doch werden sie jetzt in einen neuen Kontext gestellt. Israel soll nicht in erster Linie aus politischen oder rassistischen, sondern aus religiösen Gründen, „im Auftrage Gottes“ also,  ausgelöscht werden. Die Hamas begründet ihren Hass auf Juden nicht allein mit den „Protokollen der Weisen von Zion“, sondern zugleich mit der altislamischen Prophezeiung, wonach die Auferstehung der Muslime mit der Tötung der Juden zusammenfallen werde. Das wichtigste Pamphlet des islamischen Antisemitismus, Sayyid Qutbs „Unser Kampf gegen die Juden“, verwendet zwar rassistische Schablonen, die Qutb aus Europa übernahm. Doch ist sein Text in erster Linie ein religiöses Traktat, das die in Vergessenheit geratenen „koranischen Direktiven und göttlichen Anweisungen“ gegen Juden mit neuem Leben erfüllen will, um die Menschheit vom Zustand der Unwissenheit und von allen „Lastern“ zu befreien.

Dr. Küntzel wird über die Ursachen des islamischen Antisemitismus sprechen und einige Voraussetzungen, ihn zu überwinden, thematisieren.

ReferentIn:

Dr. Matthias Küntzel

Dr. Matthias Küntzel

Dr. Matthias Küntzel

geb. 1955, ist Politikwissenschaftler und Publizist und lebt in Hamburg. 2002 erschien sein Buch „Djihad und Judenhass. Über den neuen antijüdischen Krieg“ (Ca Ira-Verlag, Freiburg). 2007 wird sein Buch „Geheimes Einverständnis“? Islamischer Antisemitismus und deutsche Reaktion im LIT-Verlag (Münster) veröffentlicht werden. Seine Aufsätze über den Islamismus wurden in Deutschland u.a. in Spiegel-Online, Merkur, Cicero und Internationale Politik veröffentlicht und in zehn Sprachen übersetzt.

 

Dr. Küntzel ist seit 2004 research associate des Vidal Sassoon International Centre for the Study of Antisemitism (SICSA) an der Hebrew University in Jerusalem und seit 2006 Vorstandsmitglied der internationalen Wissenschaftlervereinigung „Scholars for Peace in the Middle East“

28. November 2007
18:00 Uhr

Haus der Stiftung Demokratie Saarland

Vortrag

Carmen Oschmann
Telefon: 0681 - 906 26 - 21

 Anhören