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Körper machen Leute

Sieger, Helden, Idole. Außergewöhnliche umjubelt von Gewöhnlichen. Sport, Mode, Medien – in der Show von Körper-Bildern topt Design Sein. Tunit! Steigere! Das push up des Leibes zielt auf Topform. Im Competition (lat. cumpetere, gemeinsam bestreben) ist der makellose Leib die Ikone. Der christlichen Passionsgeschichte, theologia crucis, folgt der glamouröse Mensch, anthropologia gloriae.
So haben die Kings zwei Körper: den empirischen aus Fleisch und Blut und den imaginären aus Aura und Ruhm. Wie Christus den sterblichen in den unversehrlichen Leib wundersam verwandelt, lat. commercium admirabile, so modeln die Augenblicksgötter den natürlichen Körper in Topform. Früher galt: ‚Gottes Gnade zerstört nicht die Natur, sondern hebt sie auf und vervollkommnet sie’. Das tut heute hightech Biopolitik.
Topform – kein Mythos ohne Opfer: unterm Champion beginnt der Loser. Hypes trennen uns vom nichtperfekten Menschen. Wie solidarisch sein mit Kranken, Behinderten, Alten, Sterbenden? Wie Wertschätzung lernen unterhalb der Superlative? Wer liebt, hat ein Ideal des Kaputten, wo ‚zwei Einsamkeiten sich schützen, grenzen und grüßen‘!

ReferentIn:

Dr. Jochen Wagner

Dr. Jochen Wagner

Dr. Jochen Wagner

geb. 1957 in Nürnberg; Studium der Evangelischen Theologie und Philosophie; er war von 1984-1986 Vikar, von 1986-1988 Pfarrer und von 1988-1994 Wissenschaftlicher Assistent an der Augustana Hochschule Neuendettelsau. 2000 promovierte er in Philosophie (scl) und ist seit 1994 Studienleiter des gesellschaftswissenschaftliche Referats an der Evangelischen Akademie Tutzing. Seit 1996-2005 ist Jochen Wagner zudem Mitglied des Forums Süddeutsche Zeitung i.v.m. Kulturreferat der Stadt München und seit 2003 Kuratoriumsmitglied der Akademie für Fußball-Kultur in Nürnberg.Neben der (Mit)Herausgeberschaft von Schriften zu „Werten“, „Weltinnenpolitik“, „Neutestamentliche Theologie“, „Philosophie“ u.ä. publiziert er als gelegentlicher Autor in verschiedenen großen Zeitungen, Auto- und Motorradmagazinen sowie in ästhetischen Zeitschriften. Er kooperiert mit Universitäten, kulturellen Institutionen wie der Bayerischen Staatsoper, Museen oder Firmen wie AUDI, VW, BMW, Lamborghini, Ducati usw.

12. Januar 2015
18:00 Uhr

Haus der Stiftung Demokratie Saarland

Vortrag

Carmen Oschmann
Telefon: 0681 - 906 26 - 21

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