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Kulturelle Vielfalt und Demokratie

Die Normen, welche die Demokratie braucht, um auf Dauer lebensfähig zu sein, sind Normen der politischen Kultur und nicht Übereinstimmung in der Lebens- oder Alltagskultur. Die rechtsstaatliche Demokratie würde mit sich selbst in Widerspruch geraten, wenn sie kulturelle Regeln der Lebensweise verbindlich machen wollte. Ein solcher Übergriff wäre der erste Schritt in ein fundamentalistisches Kulturverständnis.

In einer pluralistischen Gesellschaft gibt es drei kulturelle Ebenen:

  • Die Ebene der metaphysischen Sinngebungen und Heilserwartungen (ways of believing).
  • Die Ebene der individuellen und kollektiven Lebensführung, also der Lebensweisen und der alltäglichen Lebenskultur (ways of life).
  • Die Ebene der sozialen und politischen Grundwerte des Zusammenlebens mit anderen (ways of living together).

Dabei können Menschen auf einer Ebene völlig übereinstimmen, auf den anderen Ebenen jedoch unterschiedlicher Auffassung sein. Für eine Demokratie sind zwei Dinge überlebensnotwendig:

  • Die Werte und Normen der dritten Ebene müssen einerseits so minimal sein, daß sie die Werte und Normen der beiden anderen Ebenen nicht einschränken, und andererseits ausreichend genug sein, um das soziale und politische Zusammenleben aller gerecht zu organisieren.
  • Alle Angehörigen der Demokratie müssen die Werte und Normen der dritten Ebene teilen.

Daraus folgt, daß eine Demokratie solche Werte und Normen der ersten beiden Ebenen, welche die Werte und Normen der dritten Ebene in Frage stellen, nicht zulassen kann.

Prof. Meyer wird in seinem Vortrag die praktischen Auswirkungen und Forderungen an unsere Gesellschaft, die sich daraus ableiten lassen, thematisieren.

ReferentIn:

Prof. Dr. Thomas Meyer

Prof. Dr. Thomas Meyer

Prof. Dr. Thomas Meyer

geb. 1943 in Leipzig. Lehrstuhl für Politikwissenschaft an der Universität Dortmund mit dem Schwerpunkt Medien und Politik, Demokratietheorie, Identitätspolitik, Europa.

 

Studium der Philosophie, Politikwissenschaft, Psychologie und Deutschen Literatur in Frankfurt/Main, Dr. phil. 1973 in Frankfurt/Main, Habilitation 1977 an der Freien Universität Berlin.

 

Stellvertretender Vorsitzender der Grundwertekomission beim Parteivorstand der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands.

 

Mitglied der Advisory Group Social Sciences and Humanities sowie des Network of Excellence Garnet der Europäischen Kommission, Wissenschaftlicher Leiter der Politischen Akademie der Friedrich-Ebert-Stiftung und Berater in der Journalistenakademie der Friedrich -Ebert- Stiftung, Bonn. Koordinator Politikwissenschaft des DFG-Forschungsschwerpunkts Theatralität als politische und mediale Diskursform 1996-2002. DFG- Forschungsprojekt Theorie der Sozialen Demokratie 2002-2005.

 

Mitherausgeber und Chefredakteur der politisch kulturellen Zeitschrift Neue Gesellschaft/Frankfurter Hefte.

Zahlreiche längere, teils mehrjährige Auslandsaufenthalte und Gastprofessuren, insbesondere in Ländern Süd- und Ostasiens und hier vor allem in Japan, China, Indien, Nepal, Vietnam und Sri Lanka. Projekte in den Bereichen Massenmedien, politische Kommunikation, Soziale Demokratie und Europa.

 

Forschungen und zahlreiche Buch- und Aufsatz- Publikationen auf den Gebieten soziale Demokratie, Kulturelle Grundlagen der Politik, Politische Kommunikation, Zivilgesellschaft und Politik. Europäische Identität. Zahlreiche Essays, wissenschaftliche Aufsätze und Bücher (teils mehrere Auflagen) zu Fragen der Politik, politischen Kommunikation und Demokratietheorie, Übersetzungen in mehr als 15 Sprachen.

17. Dezember 2007
18:00 Uhr

Haus der Stiftung Demokratie Saarland

Vortrag

Carmen Oschmann
Telefon: 0681 - 906 26 - 21

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