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Lobbyismus als Elitenintegration

Der sogenannte „Rheinische Kapitalismus“, auch bezeichnet als Soziale Marktwirtschaft, war gekennzeichnet von Verbänden. Verbände vertraten die Interessen einzelner Gruppen gegenüber der Politik. Ob es nun Gewerkschaften, Arbeitgeber- oder Sozialverbände waren, Kommunen oder Industriekartelle, sie waren bzw. sind noch verbandsmäßig organisiert und traten als Interessensgruppe geschlossen auf.
Doch dieses System funktioniert zunehmend weniger, nicht zuletzt auch dadurch, daß die Interessen der Mitglieder in den Verbänden immer unterschiedlicher werden, weshalb es den Verbänden zunehmend schwerer fällt, Gemeinsamkeiten zu formulieren. Die fortschreitende Annäherung der Firmen an das angelsächsische Unternehmensmodell überführt die Firmen aus einer allgemeinen gesellschaftlichen Verantwortung, sie werden stattdessen von den Interessen des Kapitalmarktes gesteuert. Die Folge ist eine generelle Entfremdung zwischen Wirtschaft und Politik (Karlheinz Maldaner), wodurch, so Rudolf Speths These, sich die Tendenzen der Desintegration der Eliten in Politik und Wirtschaft verstärkt haben.
Die Unternehmen versuchen deshalb, sich selbst Gehör zu verschaffen, wie beispielsweise durch eine Verstärkung ihrer individuellen Lobbyarbeit. So gibt es nach glaubwürdigen Schätzungen inzwischen einhundert Unternehmensrepräsentanzen in Berlin mit bis zu 24 Beschäftigten, hinzu kommen Agenturen und Anwaltsfirmen.

ReferentIn:

PD Dr. Rudolf Speth

PD Dr. Rudolf Speth

PD Dr. Rudolf Speth

geb. 1957 in Grafenberg, studierte Germanistik, Politische Wissenschaft, Geschichte und Philosophie in Erlangen und Berlin. 1998 Habilitation im Fach Politikwissenschaft zum Thema "Nation und Revolution. Politische Mythen im 19. Jahrhundert" an der FU Berlin, seitdem Privatdozent am Fachbereich Politik- und Sozialwissenschaften der FU Berlin. Darüberhinaus ist er Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) und Redakteur für den Newsletter des Bundesnetzwerkes Bürgerschaftliches Engagement (BBE). Zu seinen Forschungsschwerpunkten zählen Lobbyismus und bürgerschaftliches Engagement.

19. Januar 2009
18:00 Uhr

Haus der Stiftung Demokratie Saarland

Vortrag

Carmen Oschmann
Telefon: 0681 - 906 26 - 21

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