Archiv (Audio on demand)

Rassismus und Nationalismus im Osten

Mit Wirtschaft allein entsteht keine demokratische Gesellschaft!

Sachsen und die anderen neuen Bundesländer sind nicht erst seit Kurzem wegen fremdenfeindlicher Gewalt in den Schlagzeilen. Für viele ist das angesichts der geringen Ausländerraten in den neuen Bundesländern schwer verständlich. Doch es gibt plausible Erklärungen…

Ein komplexes Ursachenbündel wirkt hier seit Jahren zusammen. So verstand sich die DDR als das bessere und zugleich antifaschistische Deutschland. Doch lebten im Alltag – trotz Buchenwaldgedenkens – nationalistische und rassistische Gedanken fort und unreflektiert geäußerte NS-Parolen verliehen Unzufriedenheit und Protest ihren Ausdruck. Einen zusätzlichen Nährboden fand jenes Gedankengut in der Mangelwirtschaft der DDR und in der damit verbundenen Konkurrenzsituation.

Darüber hinaus wurden nationalkonservative Ideen SED-kritischer Kreise, die in den Wertvorstellungen des 19. Jahrhunderts wurzeln, von Teilen der sächsischen CDU nach 1990 über Jahre gepflegt und somit Demokratiedefizite verfestigt. Nimmt es daher wunder, dass die NPD nach dem Zusammenbruch der DDR-Gesellschaft in den neuen Bundesländern eine Offensive starten konnte? Und dies vorrangig in ländlichen Gebieten?

Schließlich ist der Abwanderungsprozess ein weiterer Grund für das Schwelen rassistischer und nationalistischer Einstellungen in den neuen Ländern, wofür ein vom Westen geförderter Minderwertigkeitskomplex maßgeblich ist. Wird damit nicht deutlich, dass die Mitverantwortung an aktuellen Fehlentwicklungen bei uns liegt – auch mit Blick auf die EU und insbesondere Osteuropa? In seinem Vortrag wird Dr. Hans-Christian Herrmann diese Fehlentwicklungen nachzeichnen und erläutern.

Referent:

Dr. Hans-Christian Herrmann

Dr. Hans-Christian Herrmann


geb. 1964. 1995 Promotion zum Thema "Sozialer Besitzstand und gescheiterte Sozialpartnerschaft. Sozialpolitik und Gewerkschaften im Saarland 1945-1955". Autor zahlreicher Beiträge zur Archivwissenschaft und zur Saarbrücker Stadt- und Kulturgeschichte sowie Herausgeber, u.a. von "Widerstand, Repression und Verfolgung. Beiträge zur Geschichte des Nationalsozialismus an der Saar" (gemeinsam mit Ruth Bauer). Seit 2010 Leiter des Saarbrücker Stadtarchivs.

14. März 2016
18:00 Uhr

Politische Akademie
Europaallee 18
66113 Saarbrücken

Vortrag

Dr. Verena Paul
Telefon: 0681 - 906 26 - 24

 Anhören