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Rechtsextremismus - Was tun?

„Populistische Strömungen sind – in diesem Punkt gleich ob mit rechtem oder linkem Selbstverständnis – immer auch ein Produkt von Krisen des politischen Systems“ (K. Priester). Das Aufkommen populistischer Formationen resultiert aus dem Verschleiß anderer politischer Optionen. Wer dazu aufgefordert wird, „über eine Welt vernünftig zu argumentieren, die selbst der Vernunft Hohn spricht“, dem bleibt „kein anderes Hilfsmittel als das Stereotyp“ (R. Castel).
Als besondere Gefahr sieht Klaus Dörre hierbei den Rechtsextremismus, weil der sich nicht nur gegen „die da oben“, sondern in besonderer Weise gegen die noch schwächeren in der Gesellschaft wendet. Und im Gegensatz zu herkömmlichen Erklärungsmustern verortet Dörre rechtspopulistische Tendenzen und Auffassungen bis weit in die Mitte der Gesellschaft hinein, bis hin zu den sogenannten „Modernisierungsgewinnern“, ausgelöst durch ein generelles Bewußtsein wirtschaftlicher Gefährdung. Unterschiede zwischen den einzelnen Schichten der Bevölkerung gibt es nur in der Artikulation der politischen Meinungen: Je sicherer der Job ist, umso differenzierter, je prekärer die Lebens- und Arbeitssituation, desto aggressiver werden die einander durchaus auch widersprechenden Positionen vorgetragen.
Dörre richtet deshalb einen dringenden Appell an die Politik, ihre Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik zu überdenken, weil er ansonsten eine Gefahr für unsere Demokratie sieht.

ReferentIn:

Prof. Dr. Klaus Dörre

Prof. Dr. Klaus Dörre

Prof. Dr. Klaus Dörre

geb. 1957, studierte Politikwissenschaft, Soziologie, Wirtschafts-und Sozialgeschichte und Volkswirtschaftslehre in Marburg. Hatte im Wintersemester 2004/05 die Vertretung des Lehrstuhls für Arbeits-, Industrie-und Wirtschaftssoziologie am Institut für Soziologie der Universität Jena inne und ist seit dem Sommersemester 2005 Professor für Arbeits-, Industrie-und Wirtschaftssoziologie an der Friedrich-Schiller-Universität Jena.

Arbeitsgebiete (Auswahl): Kapitalismustheorie, regionale Industrie- und Arbeitsmarktpolitik, flexible und prekäre Beschäftigung, Innovative Unternehmenskulturen, Gewerkschaften, Soziale Desintegration und Rechtspopulismus.

Letzte Veröffentlichungen (Auswahl): „Klassenbewußtsein“, In: Haug, Frigga; Haug, Wolfgang Fritz; Jehle, Peter (Hrsg.): Historisch-Kritisches Wörterbuch des Marxismus Band 7/1., Argument Verlag, Hamburg, 2008; „Prekarisierung und Ausgrenzung. Ursachen eines neuen Rechtspopulismus?“, In: Krüger, Heinz-Hermann; Udo, Schmoder (Hrsg.): Fremd im eigenen Land? Erkundungen in den Zonen der Verwundbarkeit, VSA Verlag, Hamburg, 2008; „Prekarisierung der Arbeit: Fördert sie einen neuen Autoritarismus?“, In: Butterwegge, Christoph; Hentges, Gudrun (Hrsg): Rechtspopulismus, Arbeitswelt und Armut. Befunde aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, Verlag Barbara Budrich, Opladen, 2008

02. Februar 2009
18:00 Uhr

Haus der Stiftung Demokratie Saarland

Vortrag

Carmen Oschmann
Telefon: 0681 - 906 26 - 21

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