Archiv (Audio on demand)

Rehabilitierung

der nach 1945 wegen homosexueller Handlungen verurteilten Männer?

Homosexuelle Männer sind bis Ende der sechziger Jahre des vorigen Jahrhunderts nach dem von den Nazis verschärften § 175 StGB mit großer Intensität verfolgt und bestraft worden. Das hat das Bundesverfassungsgericht 1957 gebilligt. Der Europäi-sche Gerichtshof für Menschenrechte hat dagegen die Bestrafungen seit den achtziger Jahren wiederholt als Verstoß gegen die Europäische Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten. (EMRK) verurteilt. Der Deutsche Bundestag hat sich zwar 2000 einstimmig dazu bekannt, dass die homosexuellen Bürger in ihrer Menschenwürde verletzt worden sind. Auch sind die vor 1945 ergangenen Urteile nach § 175 StGB generell aufgehoben worden. Die meisten Parteien lehnen aber die Aufhebung der nach 1945 ergangen Urteile als Verstoß gegen die Gewaltenteilung ab. Das trifft nicht zu. Es geht um einen Akt der Wiederaufnahme von rechtskräftigen Verurteilungen, die auch durch den Ge-setzgeber erfolgen kann.

ReferentIn:

Manfred Bruns

Manfred Bruns

Manfred Bruns

geb. 1934, verheiratet, drei erwachsene Kinder, vier Enkel, war bis zu seiner Pensionierung im Sommer 1994 Bundesanwalt beim Bundesgerichtshof in Karlsruhe.Bruns bekennt sich in der Öffentlichkeit ganz bewusst zu seiner homosexuellen Orientierung und hat dabei viele gute Erfahrungen gemacht. Er hat sich in den vergangenen Jahren in zahlreichen Aufsätzen und Vorträgen für die Rechte der Homosexuellen und für Menschen mit HIV und AIDS engagiert. Er war Mitglied der Enquete-Kommission "AIDS" des Deutschen Bundestages und hat sich dort mit Erfolg für eine menschliche AIDS-Politik eingesetzt. Der Bundespräsident hat Bruns anlässlich seines Ausscheidens aus dem aktiven Dienst für sein „gesellschaftliches und gesellschaftspolitisches Engagement für die Emanzipation und Anerkennung Homosexueller, für den Schutz ihrer Rechte und für die Wahrung der Würde von Menschen, die HIV positiv oder an AIDS erkrankt sind," das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse verliehen.Bruns lebt heute mit seinem Lebenspartner in Karlsruhe. Er ist einer der Sprecher des „Lesben- und Schwulenverband in Deutschland (LSVD) e.V." und arbeitet bei der "Bundesarbeitsgemeinschaft Schwule Juristen (BASJ)" sowie bei der „Bundesarbeitsgemeinschaft Schwule und Lesbische Paare (SLP)" mit. Außerdem versucht er, Schwulen und Lesben, die sich bei rechtlichen und sozialen Problemen an ihn wenden, Hilfen zu vermitteln. Manfred Bruns gehört außerdem zu den Stiftern der auf Initiative des LSVD gegründeten Hirschfeld-Eddy-Stiftung, Stiftung für die Menschenrechte von Lesben, Schwulen und Transgender.

10. Dezember 2012
18:00 Uhr

Haus der Stiftung Demokratie Saarland

Vortrag

Carmen Oschmann
Telefon: 0681 - 906 26 - 21

 Anhören