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Russland nach und mit Putin

In Kooperation mit der West-Ost-Gesellschaft

Eine Bilanz der beiden Amtsperioden des ehemaligen russischen Präsidenten Putin ergibt, daß die transformationsbedingten Hauptdeformationen, die schon den Reformansatz von Gorbatschows scheitern ließen und sich während des Jelzin-Systems noch verschärften, weitgehend beseitigt wurden. Die politische Stabilisierung wurde abgeschlossen und der russische Staat hat seine Handlungsfähigkeit wieder erlangt. Erfolge auf der Makroebene der politischen Stabilisierung wie bei der Entfaltung wirtschaftlicher Dynamik gehen jedoch einher mit Rückschlägen bei der demokratischen Ausgestaltung des politischen Herrschaftssystems.
2008 fand der neue Präsident daher eine völlig andere Ausgangslage und wesentlich günstigere Voraussetzungen für seine Arbeit vor als etwa Putin im Jahre 2000. Obendrein symbolisiert der reibungslose und bewußt gewollte Machtwechsel im Kreml, dem der haushohe Sieg von Edinaja Rossia in den Staatsdumawahlen vom Dezember 2007 vorausging, daß die politische Führung auf ein ziemlich robustes Herrschaftssystem bauen kann und der Präsident das Vertrauen der Bürger genießt. Außenpolitisch ist Moskau wieder zur Spielfigur des Internationalen Systems geworden; und die jüngsten Ankündigungen des neuen Präsidenten Medwedew, Rußland solle gemeinsam mit der EU eine neues „Großeuropa“ schaffen, deuten darauf hin, daß Moskau sich nun anschickt, aus der Defensive der 90er Jahre herauszutreten.

ReferentIn:

Prof. Dr. Peter Schulze-Lemgow

Prof. Dr. Peter Schulze-Lemgow

Prof. Dr. Peter Schulze-Lemgow

geb. 1942. Studium der Politischen Wissenschaft und Geschichte in Berlin, London und der Stanford University, CAL/USA. Lehrtätigkeit an der FU Berlin, an amerikanischen Colleges und der UC Berkeley von 1970 bis 1987; langjährige Tätigkeiten als Leiter von Außenbüros des Forschungsinstitutes der Friedrich Ebert Stiftung in Berkeley, London und Moskau; seit 2003 Dozent für Vergleichende Lehre unter besonderer Berücksichtigung osteuropäischer Transformationsprozesse am Seminar für Politikwissenschaft der Georg August Universität Göttingen.

Zahlreiche Publikationen zur Außen- und Innenpolitik der Sowjetunion, zum Kalten Krieg, zur Transformation von Gesellschaften und zur Entwicklung des postsowjetischen Neuen Russlands, insbesondere „Die offene Flanke der Europäischen Union: Russische Föderation, Belarus, Ukraine und Moldau“ mit E. Piehl und H. Timmermann, Wissenschaftsverlag Berlin 2005, und „Die Europäische Union, Russland und Eurasien“ mit W. Schneider-Deters und H. Timmermann, Wissenschaftsverlag Berlin 2008.

09. März 2009
18:00 Uhr

Haus der Stiftung Demokratie Saarland

Vortrag

Carmen Oschmann
Telefon: 0681 - 906 26 - 21

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