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Sicherheit und Risiko

Über den Einfluss der Kultur auf militärische Strategien

Militärische Strategien war immer auch abhängig von den zur Verfügung stehenden Angriffs- und Verteidigungwaffen. Die von Julius Caesar erfundene römische Schildkröte macht bei einem Einsatz von Atomwaffen keinen Sinn, gegen Steine werfende Demonstraten ist sie hingegen ein geeigneter Polizeischutz. Die Mongolenheere des Dschingis-Khan wären nie so erfolgreich gewesen, hätten sie nicht über schnelle Pferde, weitreichende Bögen und vor allem eine flexible Körperpanzerung verfügt. Dadurch konnten sie eine höchstmobile Taktik anwenden, die sie den starr gepanzerten Europäern überlegen machte. Hinzu kam ein System von Horn- und Flaggensignalen, das es ihnen erlaubte, auch während des Kampfes strategische Veränderungen vorzunehmen.
Hier stellt sich jedoch die Frage nach der Henne und dem Ei: Ging der Strategieänderung eine Erfindung voraus, die sich auch militärisch nutzen ließ, oder wurden die Waffen für eine gewünschte Strategieänderung gezielt entwickelt? Die Geschichte des 20. Jahrhunderts bis heute läßt letzteres vermuten, und dann ist die Entwicklung militärischer Strategien nicht von einem kulturellen Kontext, also den Werten und Normen der kriegsführenden Partei, zu trennen.

ReferentIn:

Prof. Dr. Herfried Münkler

Prof. Dr. Herfried Münkler

Prof. Dr. Herfried Münkler

geboren 1951 in Friedberg/H.; Studium der Politikwissenschaft, Germanistik und Philosophie in Frankfurt/M.; 1981 Promotion zum Dr. phil, 1987 Habilitation. Seit Frühjahr 1992 Professur für ‚Theorie der Politik’ an der Humboldt-Universität zu Berlin. Seit Dezember 1992 Mitglied der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften; von 2003 bis 2006 Sprecher der Arbeitsgruppe „Elitenintegration“ der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften. Von 2004 bis 2005 hatte er eine Gastprofessur am Wissenschaftszentrum für Sozialwissenschaften Berlin (WZB).

Diverse Publikationen zur Begründung von Kriegen.

02. März 2009
18:00 Uhr

Haus der Stiftung Demokratie Saarland

Vortrag

Carmen Oschmann
Telefon: 0681 - 906 26 - 21

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