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Skandal in Togo:

Ein Kapitel deutscher Kolonialherrschaft

Kaum zehn Jahre, bevor Deutschland alle seine Kolonien im Ersten Weltkrieg verlor, erregte ein Kolonialskandal die deutsche Öffentlichkeit: Im Mittelpunkt steht der – so heißt es in den Zeitungen – gewalttätige und „sexlüsterne“ Kolonialbeamte Geo Schmidt, der in der Tat mit großer Brutalität deutsche Interessen in der kleinen westafrikanischen Kolonie Togo durchzusetzen versuchte. Die Geschichte dieses Skandals zeigt aber noch weit mehr: Den ganz gewöhnlichen kolonialen Alltag, der immer und nicht ausnahmsweise zwischen Gewalt und Ohnmacht oszillierte. Deutlich wird überdies, dass die deutsche (genauso freilich wie die englische und französische) Öffentlichkeit bei aller moralischen Empörung zutiefst durchdrungen war von kolonialen Vorstellungen, von denen manche bis heute fortleben.

Referentin:

Prof. Dr. Rebekka Habermas

geb. 1959, promovierte sich im Fach Geschichte an der Universität des Saarlandes. Sie war Gastprofessorin an der École des Hautes Études en Sciences Sociales in Paris und Fellow am St. Antony’s College in Oxford. Heute ist sie Professorin für Neuere Geschichte an der Georg-August-Universität Göttingen. 2015 wurde ihr Artikel „Lost in Translation: Transfer and Non-Transfer in the Atakpame Colonial Scandal“ durch das Higby Prize Committee ausgezeichnet. Neben Büchern zur Geschichte des Bürgertums, der Kriminalitäts- und Religionsgeschichte des 19. Jahrhunderts hat sie zuletzt „Skandal in Togo. Ein Kapitel deutscher Kolonialherrschaft“ veröffentlicht, das Micha Brumlik von der taz als „eine theoretisch luzide, genaue Fallstudie“ lobt.

23. April 2018
18:00 Uhr

Politische Akademie der SDS
Europaallee 18
66113 Saarbrücken

Vortrag

Dr. Verena Paul
Telefon: 0681 - 906 26 - 24

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